Oh my God, English!
Steffel | 24. April 2007 | 501 mal gelesenGestern Abend rief mich Yuko an, nachdem sie ihre Arbeit beendet hatte. Wir wollten uns vor’m Supermark, um gemeinsam für das Abendbrot einzukaufen. Sie wollte Omuraisu (wie Omelette, aber mit Reis innen) kochen.
Sie hatte auch schon fast alles fertig, als ich einen Anruf bekam, den ich gerade zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht erhalten wollte. Über Chay, ein Neuseeländer, mit dem ich im letzten Jahr zusammen in einer kleinen Sprachschule Japanisch gelernt hatte, bin ich an eine English conversation school gekommen. Die haben mich erstmal als “on call” engagiert. Und genau heute war ich (zum zweiten Mal) auf Abruf.
Alfred, einer der leitenden Angestellten dort, erklärte mir, dass ich nicht wirklich heute benötigt werde, aber dass ich doch mal vorbeischauen kann, um mal zu erfahren, wie es dort so abläuft. Naja, da ich ja schlecht nein sagen konnte, sagte er mir, dass ich doch um 20 Uhr kommen könnte. Nach ein paar Aufmunterungsrufen von Yuko zog ich mir meine beste Hose, ein blaues Hemd und meine *geliebte* Krawatte an, borgte mir Yukos Fahrrad aus und begab mich auf den recht langen Weg, der mich irgendwo mitten durch das nördliche Zentrum von Osaka führte.
Yuko hatte mir den Weg zur Schule auf einer Karte gezeigt, und ich fand auch den Weg bis zum großen IBM-Gebäude, in dessen Nähe sich die Schule befinden sollte. Chay hatte mir mal beim Chatten geschrieben, dass dort dann ein Yakiniku-Restaurant (gebratenes Fleisch) und ein Curry-Restaurant in der Nähe sind. Naja… es gab da ein Restaurant, aber laut Karte und laut Chays aussagen, waren die eigentlich viel zu nah am Gebäude von IBM. Also fuhr ich irgendwoanders hin. Gegen 20 Uhr klingelte dann mein Handy. Alfred rief mich an und fragte, wo ich denn sei. Ich erklärte ihm , dass ich mich verfahren hatte. Er versuchte mir den Weg zu erklären, was aber beim ersten Versuch nicht von Erfolg gekrönt war. Schließlich fand ich irgendwann ein Yakiniku-Restaurant. Also rief ich ihn zurück. Da ich mir nicht sicher war, wo sich nun die Schule befand und ob ich überhaupt richtig war, kam er herunter, um zu sehen, ob er wir uns finden. Leider war das auch nur ein Fehlversuch.
Also machte ich mich erneut auf die Suche. Ich fuhr nochmal zurück zum IBM-Gebäude und umkreiste es. Und plötzlich erkannte ich, dass das eine Restaurant, das ich am Anfang gesehen hatte ja doch ein Yakiniku-Restaurant ist. Und gleich in der Nähe war das Curry-Restaurant. Also musste die Schule hier irgendwo sein… Ich konnte aber nichts finden. Es war nirgendwo ein Zeichen zu sehen, dass sich hier eine Schule befindet. Zudem war es eine dunkle Nebenstraße. Daher rief ich erneut Alfred an, der daraufhin sich zum zweiten Mal auf den Weg machte, um mich draußen zu treffen. Siehe da, da war er plötzlich – ein kleiner, sehr muskulöser Mann mit schielendem Blick.
Ein netter Mann, der mir dann sagte, dass man ruhig mit normalen Klamotten kommen kann. Also riss ich mir die Krawatte vom Hals und holte mein Hemd aus der Hose. Gemeinsam ging es in den fünften Stock, wo er eine Tür zu einer Wohnung öffnete. Dort sah es recht düster aus. Die Möbel waren sehr bescheiden. An zwei Tischen saßen insgesamt ungefähr 10-11 Japaner und eine “Lehrerin”. Alfred stellte mich als “Stephan aus Frankreich” vor. Ich korrigierte ihn ![]()
Dann führte er mich zu einem leeren Tisch und fragte bei den fortgeschrittenen Englisch sprechenden Japanern, ob nicht jemand zu mir kommen möchte. Nach einer Sekunde Zögern meldete sich ein junger Japaner. Kurz darauf folgten noch zwei Japanerinnen und ein weiterer Japaner. Plötzlich war die Lehrerin nur noch mit einem einzigen Japaner zusammen. Deshalb ging einer der Japaner wieder zurück zu ihr.
Der Unterricht bzw. die Unterhaltung konnte beginnen. Ich war sehr aufgeregt. Ich stellte mich vor und fragte anschließend die anderen. Ich musste immer wieder die Initiative ergreifen, was für mich nicht gerade typisch ist. Wir redeten über viele verschiedene Sachen. Irgendwann wollte ich das Wort “Bauer” sagen, aber mir fiel die englische Übersetzung nicht ein. “Pigeon”… nein, das war ja “Taube”… Also holte der Japaner sein elektronisches Wörterbuch aus der Tasche und siehe da, es hieß “peasant”.
Nach knapp mehr als einer Stunde war es dann vorbei. Ich trank noch schnell mein Bier aus und begab mich wie die anderen zu Alfred, der gerade Geld kassierte. Ich unterhielt mich noch kurz mit ein paar anderen Japanern und schließlich auch noch mit der Lehrerin. Sie heißt Bernadette und kommt aus Südafrika. Sie sagte mir, dass sie einen deutschen Großvater hatte und sie sprach ein paar Fetzen Deutsch. Sie selbst sah nun absolut nicht deutsch aus, dunkle Haut, schwarze Haare. Ich dachte zuerst, dass sie aus den USA kommt. Aber da habe ich mich getäuscht. ![]()
Die Japaner wollten dann noch zum Trinken gehen. Aber ich wollte mein Abendbrot essen, das Yuko gekocht hatte. Auch die anderen beiden Lehrer gingen nicht mit zum Trinken. Als ich dann nach unten ging, standen fast alle Japaner noch dort. Ein Gesicht kam mir auch schon den ganzen Abend bekannt vor. Dieser junge Mann sprach mich dann auch an. Und siehe da, ich habe ihn schon mal in einem Irish Pub getroffen, als ich mit Yuko und Chay zusammen getrunken habe. Damals kam auch er und wir unterhielten uns. Ich denke mal, dass ich mich beim nächsten Mal mit ihm unterhalten werde.
Ich verabschiedete mich von allen und ließ die Pedalen rauchen. Irgendwann hatte ich mich dann erneut verfahren. Aber ich kannte die ungefähre Richtung, wodurch ich zum Glück wieder auf den richtigen Weg kam.
Daheim gab es dann endlich mein leckeres Abendbrot, das ich im Nu aufaß. Gegen Mitternacht machte ich mit Yuko noch zusammen ihre Hausaufgaben für den morgigen Deutschunterricht beim Goethe-Institut (Thema Umweltverschmutzung) und anschließend konnte ich mich von einem interessanten Tag erholen.





