Pachinko
Steffel | 11. Juli 2008 | 2.530 mal gelesenHeute möchte ich über eine große Leidenschaft (oder eher Sucht) vieler Japaner erzählen: Pachinko. Aber was verbirgt sich hinter diesem Begriff? Dabei handelt es sich um Glücksspielhallen, die mit unzähligen von Spielautomaten – ähnlich denen Einarmiger Banditen – gefüllt sind. Pachinko ist schon fast ein Teil der modernen japanischen Kultur. Immerhin suchen angeblich 15 Millionen Japaner regelmäßig diese Spielhallen auf. Auf einer anderen Seite habe ich sogar gelesen, dass es bis zu 25% der japanischen Bevölkerung spielen, also um die 30 Millionen Menschen! Welche Zahl nun eher zutrifft, kann ich nicht sagen. Aber diese Einrichtungen sind teilweise von morgens bis nachts rappelvoll. Und es gibt wirklich viele Pachinkos in Japan. Teilweise stehen gleich mehrere solcher Spielhallen direkt nebeneinander. Dabei scheinen manche Pachinkos wesentlich beliebter zu sein als andere. Warum, würde ich auch gerne mal wissen.
Früher habe ich morgens auf dem Weg immer eine der berühmtesten Einkaufsstraßen Osakas passiert. Schon eine Stunde, bevor die Spielhallen geöffnet wurden, gab es schon lange Schlangen wartender Spielsüchtiger. Dabei konnte ich auch des Öfteren die gleichen Personen wahrnehmen, die ich dann abends noch beim Spielen sah.
Es gibt auch Berufsspieler, die um die 2500 Euro monatlich verdienen können. Ich denke mal, dass man dafür wirklich den ganzen Tag vor diesen langweiligen Automaten sitzen und immer die gleiche monotone Bewegung machen muss, um so viel Geld zu erwirtschaften.
Ich selbst würde es in so einer Spielhalle nicht sehr lange aushalten. Das liegt weniger an den Automaten selbst, sondern eher am ungeheuer lauten Krach, der elektronischen Musik und der Angestellten, die große Gewinne versprechen und Sonderaktionen anpreisen. Bei den Angestellten handelt es sich meistens um junge Männer und Frauen. Letztere rennen oft mit kurzen Röckchen herum. Aber das ist ja hier in Japan sowieso Gang und Gäbe.
Übrigens wird mit vielen kleinen Kugeln gespielt, die man sich vorher in Körben besorgt. Die meisten Spieler haben zehn oder mehr solcher Körbe neben sich stehen. Ich weiß nicht, wie viele Kugeln in einem Korb passen, aber es müssten mehrere Hundert sein. Am Automaten gibt es lediglich ein Rad, an dem man die Geschwindigkeit der eingeworfenen Kugeln einstellen kann. Danch wird alles dem Zufall überlassen. Die Kugeln werden durch das Spielfeld geschossen und passieren dabei einige Hindernisse. Die meisten der kleinen Metallbällchen verschwinden als Nieten. Sollte mal doch eine Kugel durch eines der gewinnbringenden Löcher fallen, gibt es nicht etwa Geld, sondern nur weitere Kugeln, die man gleich wiederverwenden kann.
Abgesehen von der staatlichen Lotterie gibt es in Japan ein Verbot für Geldgewinne. Die gewonnen Kügelchen kann man zum Schluss gegen Sachpreise eintauschen, die aber einen jeweiligen Wert von 10.000 Yen (ca. 60 Euro) nicht überschreiten dürfen.
Aber wie kommen die Berufsspieler nun ans Geld? Von Sachpreisen wie Feuerzeuge, Parfüm oder Kuscheltierchen kann man sich schlecht ernähren. Ganz einfach: In der näheren Umgebung der Pachinkos gibt es kleine Buden, an denen man seine Sachpreise anonym (Käufer und Verkäufer können sich wegen eines Sichtschutzes nicht sehen) in Bargeld umtauschen kann. Und schon hat man das gesetzliche Verbot ohne größere Anstrengungen umgangen.
Wie anfangs erwähnt, sind einige oder viele der Pachinko spielenden Japaner süchtig. Das ging schon nicht nur einmal so weit, dass eine junge Mutter ihr Baby im Auto ließ und dann für mehrere Stunden mit Murmeln gespielt hat. Als sie dann wieder zum Auto zurückkam, war ihr Kind leider gestorben…







