Ein ganz normaler Tag
Steffel | 5. August 2008 | 649 mal gelesenEigentlich war’s heute mal wieder ein ganz normaler Tag. Es war sehr sonnig, schwül und heiß. Auf dem Weg nach Umeda komme ich immer an einem Haus mit einer Thermometeranzeige vorbei. Heute habe ich den bisher höchsten Wert ablesen können. Um genau 14:28 Uhr waren es in Osaka 39° Celsius! Und dazu kam die hohe Luftfeuchtigkeit im Japanischen Sommer. Als ich nach nur wenigen Minuten mit dem Rad den Umeda-Bahnhof erreichte, war ich schon total verschwitzt, obwohl ich extra langsam gefahren bin. Dort wollte ich auf meine Verabredung warten, aber dummerweise habe ich mich in der Zeit geirrt. Während ich vergebens warte, kommt eine Gruppe mit einer blonden Ausländerin und zwei etwas japanisch aussehenden Jugendlichen (wahrscheinlich halb Japaner, halb Deutsche) in meine Nähe. Irgendwann konnte ich ein paar deutsche Worte vernehmen. Wow! Deutsche in Osaka! Das ist nicht gerade ein alltägliches Erlebnis. Obwohl ich nun bemerkte, dass es sich um Deutsche handelt und ich, bis auf eine Ausnahme, seit Längerem keinen direkten Kontakt mit Deutschen hatte, ließ ich mir nichts anmerken. Zufälligerweise hatte ich aber ein T-Shirt mit dem Aufdruck “Berlin” an. Demzufolge konnten sich die drei wohl denken, dass ich Deutscher bin. Irgendwie konnte ich auch ein “wer weiß, wer weiß” wahrnehmen. Ich weiß nicht, ob es mir galt, aber Interesse bei den Jugendlichen war da.
Irgendwann war die Gruppe weg und auch ich machte mich auf den Weg zurück, nachdem ich mich vergewissert hatte, dass ich mich in der Zeit geirrt hatte. Auf dem Rückweg fotografierte ich die Temperaturanzeige. Nebenbei: Die unerträgliche Hitze sollte eigentlich das einzige Thema an diesem Tag sein.
Zu Hause machte ich mich frisch, wechselte die Kleidung und ging erneut in Richtung Umeda. Diesmal zur richtigen Zeit ![]()
Ich traf mich nun mit einer Japanerin, die Deutsch lernt. Als wir im Café saßen und auf Deutsch redeten, beobachteten uns zwei Frauen. Beide flüsterten und kamen dann plötzlich neben uns an den Nachbartisch. Dann holten sie ein paar Bücher und Zettel heraus. Aus Neugier blickte ich mal kurz auf ihren Tisch und konnte entdecken, dass die beiden Deutsch lernten. Was für ein Zufall! So vielen Deutschen und deutsch lernenenden Japanern bin ich auf “freier Wildbahn” schon seit Monaten nicht mehr begegnet.
Gründe, warum ich den japanischen Sommer überhaupt nicht mag, habe ich oben schon erwähnt. Ein weiterer ist, dass es manchmal plötzlich zu regnen anfängt. Heute war mal wieder so ein Tag. Es regnete in Strömen und ich musste nach der Arbeit ja irgendwie nach Hause. Ich habe den ganzen Tag nichts gegessen und freute mich schon auf mein selbstgemachtes Abendbrot. Nun der Regen… keinen Schirm dabei. Es waren nur knapp 10 minuten mit dem Fahrrad nach Hause, aber ich war von oben bis unten total nass. Ah! Japanischer Sommer…! Entweder man wird nass, weil man sich in der drückenden Hitze zu Tode schwitzt, oder weil es regnet wie verrückt…
Um dem heutigen Tag mit einem (hoffentlich) letztem krönenden Ereignis zu versüßen, habe ich mir, währenddessen ich hier schreibe, meine rechte Hand mit kochendheißem Wasser übergossen. Momentan schmerzt die Hand nur ein wenig, aber mal schauen, wie die Hand morgen aussehen wird…







Lustiges Anekdötchen. Ich sehe Parallelen zu meinem Leben in Adelaide. Hier ist es aber genau anders herum. Ich laufe ständig irgendwelchen Deutschen über den Weg und versuche aber auch unerkannt zu bleiben. Mit dem Temperaturen ist es gerade auch ähnlich verkehrt herum: es sind 13°C und ich friere. Allerdings wird es im Sommer gerne mal um die 45°C, bei null Luftfeuchtigkeit und monatelang keinem Regen. Der Wind, der einem dann ins Gesicht bläst, fühlt sich wie der Schwall aus einem Fön an.
Auch heute waren es mittags um die 39 Grad, wenn man dem Thermometer an dem fotografierten Haus vertrauen kann. Leider musste ich heute jeweils 35 Minuten bergauf bergab marschieren, um zu meiner heutigen Arbeitsstelle zu gelangen. Bei diesen klimatischen Verhältnissen ist es kein Wunder, dass ich völlig verschwitzt und erschöpft war.
Eine nasse Hose ist schon wieder vorprogrammiert (natürlich durchs Regenwasser
)
Auf dem Heimweg wurde es wieder sehr dunkel. Nun blitzt und regnet es erneut. Leider muss ich gleich wieder los…
Ach, ich liebe den japanischen Sommer!