Polizeikontrolle
Nov 17
Als ich gestern vom Futsal abends zurück zum Bahnhof kam und mit meinem Fahrrad den restlichen Heimweg antreten wollte, musste ich leider feststellen, dass ich hinten einen Platten hatte. Tolle Sache! Also musste ich, nachdem ich schon zuvor viel gelaufen bin und am Vorabend einen über den Durst getrunken hatte, knapp 25 Minuten zu Fuß nach Hause latschen. Der alte Drahtesel unterhielt mich aber die ganze Zeit mit seinem Gequietsche.
Nachdem ich mich daheim kurz von den Strapazen ausgeruht hatte, ging ich mit einer kleinen Fußluftpumpe nach unten und füllte neue Luft in den Reifen. Ich dachte, dass jemand das Ventil gelockert hatte, da es nicht wirklich fest verschlossen war. Doch am nächsten Morgen war die Luft wieder komplett verschwunden. Da ich nicht so viel Zeit hatte, pumpte ich den Reifen schnell wieder auf und radelte so weit es ging. Immerhin hatte ich etwas weniger als die Hälfte des Wege auf diese Art und Weise geschafft. Den Rest bis zum Büro lief ich dann schnellen Schrittes. Ich kam geradeso rechtzeitig im Büro an und konnte mit der Arbeit beginnen.
In der Mittagspause ging ich mit meinem kränkelnden Eselchen zum Fahrradladen. Vorher kaufte ich mir noch ein paar Onigiris und futterte sie auf dem Weg zum Laden, der auch ca. 20 Minuten zu Fuß entfernt war. Unterwegs erspähten meine müden Augen drei Polizisten, die so aussahen, als ob sie einen Spaziergang machen würden. Schließlich war der Park gleich nebenan. Ich aß mein Onigiri fröhlich weiter, doch dann hörte ich ein “Konnichiwa”, also “Guten Tag”. Nun hatte ich drei neue Freunde, die sich mit mir unterhalten wollten.
Sie fragten mich ganz höflich nach meinem Ausweis (Alien Registration Card), die ich ihnen mit ein paar Schwierigkeiten aushändigen konnte. Schließlich hatte ich mein halb gegessenes Onigiri in meiner Hand. Einer der Herren in Blau überprüfte meine Karte gründlich, während ein anderer mich nach meiner Herkunft, meine Aufenthaltsdauer in Japan und nach meinen Beruf fragte. Freundlich wie ich nun mal bin, gab ich ihm darauf stets eine anscheinend zufriedendstellende Antwort
Nun begann der andere Polizist, der meinen Ausweis kontrollierte, mit mir zu sprechen. Er erwähnte, dass Deutsch ja so schwer sei und sein Vater Deutschland sehr mag. Dann sagte er sogar auf Deutsch “Guten Tag”.
Doch damit nicht genung. Nun wollten sie noch routinemäßig mein Fahrrad kontrollieren. Einer meiner Freunde gab nun die Seriennummer per Funk an die Zentrale. Nach ein paar Sekunden war dann die Sache geklärt, ich war wieder allein und um eine neue lustige Lebenserfahrung reicher
Wenn die wüssten, dass sie den meistgesuchten Verbrecher der Welt einfach so entkommen ließen…
Übrigens wurde mein Silberblitz innerhalb einer Dreiviertelstunde wieder funktionstüchtig gemacht und ich kann nun endlich wieder wie ein Wilder durch die Straßen Osakas heizen.
Wort des Tages: 警察 (keisatsu = Polizei)

Wegen welcher Verbrechen wirste denn gesucht?
Da hattest du aber ein nettes Erlebnis.
Ich bin mal mit einer spanischen Freundin am Wochenende zusammen auf dem Flohmarkt und uns haben dort 2 (angebliche?) Polizisten in Zivil angesprochen und wollten unsere Gaijincard sehen. Angeblich wäre das zur Vorsorge – wenn was auf dem Flohmarkt passiert oder gestohlen wird, seien wir Ausländer die ersten Verdächtigen oder so ähnlich ….. sehr nett ..
Die Spanierin konnte fließend Japanisch und hat sich noch ganz nett mit denen unterhalten. Die Polizisten haben sich auch 100 Mal dafür entschuldigt, dass sie das machen müssen. Ich find’s trotzdem ungeheurerlich!
Wenn wir das in Deutschland so machen würden, oioioi …
@Sebastian:
Ich habe die ganze Schokolade aufgefuttert. Das ist eines meiner vielen Verbrechen
@chochajin:
Na das war ja dann auch mal ein sehr interessantes Erlebnis. Waren die Polizisten denn wirklich echt? Meine sahen zumindest in ihren Uniformen sehr seriös aus
In Tokio wurde ich einmal vom gleichen Polizisten an zwei aufeinanderfolgenden Tagen kontrolliert. In Osaka war es für mich das erste Mal, mal abgesehen von einem sich langweilenden Polizisten, der mich begrüßte und zulächelte
Das habe ich mich danach auch eine ganze Weile gefragt, aber sie scheinen tatsächlich echt gewesen zu sein.