Auf nach Kyushu! (Teil 2)
Steffel | 8. Januar 2009 | 6.592 mal gelesenNach einer kurzen Nacht mussten wir schon sehr früh aufstehen, da wir viel vorhatten. Zuerst einmal ging es zum Frühstücksbüffett, das wie das Abendbüffett am Vortag eine große Auswahl anbot. Wir hatten also wieder die Qual der Wahl. Aber unsere Mägen waren noch vom Abendbrot mehr als ausreichend gefüllt, so dass wir die vielen Leckereien nicht alle ausprobieren konnten.
Mit vollem Magen ging es dann per Taxi zum weit entfernten Bahnhof. Öffentliche Verkehrsmittel… nicht in so einer kleinen Stadt. Dort angekommen stiegen wir in einen Bus und auf ging es zum Vulkan Aso. Die Fahrt dauerte recht lange. Wir nutzen die Zeit, um etwas Schlaf nachzuholen. Aber die Aussicht war teilweise so interessant, dass wir diese dem Schlaf vorzogen. Das Wetter änderte sich auch sehr stark. War es in Beppu noch angenehm kühl bei herrlichem Sonnenschein, so wurde verdunkelte sich der Himmel je näher wir unserem Ziel kamen. Plötzlich fing es an zu scheien. Und es fiel immer mehr Schnee.
Unser Busfahrer war ein recht flotter Fahrer. So überholte er die ganzen kleinen PKWs, die mit Schneeketten versuchten dem Schnee zu trotzen. Irgendwann trafen wir dann auf einen besonderen Autofahrer. Dieser wollte mit seinem Geländewagen den Berg hinauf, aber irgendwie ging es für ihn und seine Insassen in die andere Richtung. Dabei schlitterte er hin und her. Als ich auf das Nummernschild sah, wurde mir klar, warum dieser Autofahrer wirklich etwas anders war als die anderen. Er kam aus Osaka. Keine Ahnung, wie lange dieser schon unterwegs gewesen sein musste. Schließlich liegt Osaka weit entfernt auf einer anderen der japanischen Inseln. Anscheinend war der Autofahrer wohl noch nie in einem Gebirge. Ansonsten würde er wissen, dass es dort im Winter durchaus mal schneien kann. In Osaka fällt dagegen fast nie ein Schneeflöckchen vom Himmel herab. Winterreifen sind von daher fast nie notwendig.
Naja… für unseren Bus(renn)fahrer war dies auch kein größeres Hindernis. Schwups waren wir kurz vor einer Kurve an dem rückwärts rollenden Auto vorbei und am Heck des vor uns fahrenden Autos.
Die Landschaft erinnert mich stark an Furtwangen, mein liebes kleines Dorf tief im Schwarzwald. Ein mulmiges Gefühl überkam mich. Irgendwann erreichten wir unser Ziel. Irgendwo im Niemandsland hielten wir an und stiegen aus. Der Bus fuhr weiter zur Endstation. Bis dorthin wollten wir aber nicht fahren, da wir 3500 Yen (pro Person) mehr hätten zahlen müssen, denn dann wäre ein Mittagessen mit im Preis gewesen. Stattdessen liefen wir knapp 40 Minuten bergauf und genossen die herrliche Winterlandschaft. Auf dem Weg liefen wir an einem stillgelegten Restaurant vorbei. Wahrscheinlich war dieses schon seit mehreren Jahren nicht mehr in Betrieb.
Oben angekommen stiegen wir in die Seilbahn ins Nichts ein. Naja, in Wirklichkeit führte sie in die Nähe des Kraters, aber diesen konnte man aufgrund der starken Rauchwolken nicht sehen. Eine nette Frau in einem roten Kostüm, ähnlich dem eines Weihnachtsmannes, laberte irgendetwas über den Vulkan. Keiner der Fahrgäste schien ihr zuzuhören.
Als wir dann das Gebäude verlassen wollten, wehte uns ein eisiger Wind ins Gesicht. Angeblich waren es nur -7 Grad Celsius, was für Japan schon sehr kalt ist. Dies war aber nicht das eigentliche Problem. Der Wind hatte orkanartige Böen, welche wirklich unerträglich kalt waren. Zum Glück hatte ich mir im Dezember eine neue Winterjacke mit warmer Kapuze gekauft, so dass ich nicht fürchten musste, zu erfrieren.
Leider konnten wir nicht direkt zum Krater gehen, da der Vulkan an diesem Tag besonders aktiv war. Aber ein paar Hundert Meter durften wir dann doch gehen. Dort gab es einen Schutzraum, in dem Yuko auf mich wartete, während ich ab und zu hinausging, um ein paar Fotos zu schießen. Sehr lange blieben wir dann aber nicht, da es wegen der vielen Absperrungen nicht viel zu sehen gab – leider. Im Sommer muss es dort wirklich sehr schön sein. Nicht nur die Landschaft. Dort am Vulkan gibt es viele Kühe und Pferde zu bestaunen.
Auch auf dem Rückweg wurden wir von einer Frau zugelabert. Eine andere Angestellte stand mit dem Gesicht zum Fenster und war ganz still. Anscheinend hatte sie gerade Feierabend. Unten aß Yuko dann Dango-jiru, eine leckere Nudelsuppe. Ich trank dagegen nur einen mittelmäßigen Kaffee.
Unser nächstes Ziel hieß Kumamoto. Doch um dort hinzukommen, mussten wir erstmal mit dem Bus zum Aso Hauptbahnhof. Man sollte eher Bahnhöfchen sagen, denn jeder Bahnhof in Osaka ist größer als dieser
Im Bahnhof genehmigte ich mir eine Milch, die dort besonders lecker sein soll. Ja… lecker war sie. Aber auch nicht viel leckerer als woanders.
Die Bahn hielt irgendwann plötzlich an. Der Zugführer spazierte dann durch den Zug, und wenig später ging es dann überraschenderweise in die andere Richtung weiter. Dies wiederholte sich noch ein oder zweimal, ehe es wieder etwas schneller voranging.
Als wir dann endlich in Kumamoto ankamen, war es schon dunkel. Anstatt die Straßenbahn zum Hotel zu nehmen, liefen wir die 30 oder 40 Minuten zu Fuß. Diesmal war das Hotel nicht besonders groß, aber dafür direkt neben dem Kumamoto-Schloss, das zu den schönsten Japans zählt. Leider erhielten wir kein Zimmer mit Blick auf das Schloss. Stattdessen wurde uns ein miefiges Zimmer zugeteilt. Der vorige Kunde schien ein starker Raucher gewesen zu sein.
Nach einer kurzen Pause gingen wir zu einem Izakaya und genossen ein leckeres Menü. Leider war das Bier nicht besonders lecker. Aber wir gönnten uns dann eine besondere Spezialität aus Kumamoto: 馬刺し (basashi = rohes Pferdefleisch). Das isst man normalerweise mit Wasabi und Sojasoße. Ich habe aber vergessen, das Fleisch in die Soße zu tauchen und steckte es mir direkt in den Mund. Hmm… irgendwie schmeckte es nach nichts. Als ich dann die Sojasoße entdeckte, wurde es dann doch etwas wohlschmeckender. Nach rohem Rindfleisch und rohem Fisch habe ich nun endlich auch rohes Pferdefleisch probiert.
Zurück im Zimmer ließen wir es ruhig angehen und schliefen mit Vorfreude auf den nächsten Tag ein.
Wort des Tages: 田舎 (inaka = Provinz, ländliches Gebiet)





