Mal wieder Zugverspätung

Feb 12

Ja… lange gab es hier nichts mehr zu lesen. Das liegt zum Einen an meiner Schreibfaulheit und zum Anderen einfach daran, dass es hier nichts Interessantes zu berichten gab – der graue Alltag.

Heute dann ein klitzekleines Highlight: Bei der japanischen Zuggesellschaft Japan Railways (kurz: JR) kam es mal wieder zu einer Verspätung. Diese Verspätung betraf im Übrigen alle Züge, die auf der Strecke Kyoto – Kobe waren. Dabei handelte es sich nicht um ein technisches Problem, sondern wie so oft um ein menschliches. Laut der Bahnhofsansage spazierte jemand irgendwo auf der Strecke auf den Gleisen herum. Wahrscheinlich wieder jemand, der sich das Leben nehmen wollte. Das ist ja bei JR hier in Osaka leider recht häufig der Fall. Ich habe davon schon früher einmal berichtet, dass die Hinterbliebenen eines Selbstmörders eine Menge Geld bezahlen müssen. Da JR am wenigsten Geld verlangt, springen eben die meisten bei dieser Bahngesellschaft vor den Zug, anstatt bei einer der vielen anderen in Japan.

Nun ja.. als ich in den Zug einstieg, war er schon recht voll. Es war gerade der abendliche Heimreiseverkehr. Der ich habe mich schon gewundert, warum sich die Türen nicht schließen wollten. Schließlich kam die Durchsage des Bahnhofpersonals, das uns Fahrgästen darum bat, sich noch ein wenig zu gedulden und dass der Zug in Kürze abfährt. Aus ein paar Minütchen wurde fast eine halbe Stunde. Immer wieder quetschten sich neue Menschen in den Zug. Ich hatte noch das große Glück, dass direkt vor mir ein wirklich großer Japaner stand, der mir die Sicht in die Freiheit verwehrte. Ich ging im knapp bis zum Kinn. Dabei bin ich nun mit ca. 1.81m nicht gerade ein Zwerg in Japan. Dank dieses Hünen fühlte ich mich plötzlich wieder sehr klein. Zusammen mit dem Albtraum aller Klaustrophobiker – auf engstem Raume mit unzähligen Fremden Menschen – war das nicht gerade das, was ich brauchen kann.
Zum Glück bin ich rechtzeitig losgegangen und konnte somit pünktlich zu meinem Termin gelangen. Bei anderen Fahrgästen sah das aber nicht danach aus. Einige Männer in schwarzen Anzügen rannten schnellen Schrittes durch das Bahnhofsgelände. Ich dagegen ging noch in ein Konbini-Geschäft und kaufte mir zwei leckere Donuts als Abendessen :)

Als ich dann wieder auf dem Heimweg war, erlebte ich noch eine kleine Überraschung. Direkt am Umeda-Bahnhof fuhr plötzlich ein blauer Bus mit Anhänger vorbei, auf dem mit großer weißer Schrift “IKEA” geschrieben stand. Das mag in Deutschland normal sein, aber in Japan gibt es nur zwei oder drei Geschäfte von IKEA. Ein IKEA soll es auch bald in Osaka geben. Für mich ist das zwar nicht so interessant, aber meine Frau freut sich schon riesig darauf. Leider habe ich es nicht mehr geschafft, dieses interessante Gefährt zu fotografieren. Es war ein ziemlich ungewöhnliches Auto – nicht nur wegen der Aufschrift.

So, mehr alltägliche Langeweile möchte ich euch vorerst nicht antun^^ Ach ja… bald ist Valentinstag… in Japan etwas ganz besonderes!

Wort des Tages: 遅着 (chichaku = Verspätung; verspätete Ankunft)

3 Kommentare

  1. avatar

    Na, dein Alltag findet immerhin schon mal in Japan statt, was zumindest für Leute, die in Deutschland leben, ziemlich spannend ist. :)

    Du könntest ja auch mal einfach schreiben, wie so dein Alltag aussieht.
    Ich meine, was isst du zum Frühstück (bestimt kein Müsli), wie kommst du zur Arbeit (auch mit dem Fahrrad), wie sind deine Kollegen (nett, hoffe ich), wie sieht dein Feierabend aus (Ehefrau verhaut dich mit dem Kochlöffel) …

    Also mich interessiert das, auch wenn es für dich gar nicht so spannend klingen mag. :D

  2. avatar
    Steffel /

    Ja, also… dann werde ich demnächst mal etwas über meinen grauen Alltag schreiben ;) Übrigens habe ich heute früh immerhin Cornflakes gegessen. :)

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