Endlich in Japan Auto fahren!
Steffel | 4. August 2009 | 2.164 mal gelesen
Seitdem ich das erste Mal nach Japan kam, bin ich kaum noch Auto gefahren. Immer nur, wenn ich mal in Deutschland war. Letztes Jahr im Mai bin ich nach über drei Jahren Pause mit einem Mietauto innerhalb von zwei Tagen von nach Dresden, Prag, München und wieder zurück gefahren. Die anfängliche Nervosität ging glücklicherweise schnell verloren und ich war auch in keinen Unfall verwickelt. Allerdings durfte ich mich über ein Foto der Polizei freuen, da ich auf der Autobahn ein wenig zu schnell unterwegs war:)
Auch auf der diesjährigen Deutschlandreise konnte ich mit dem Auto meiner Schwester kurz durch Berlin brausen. Diese kurzen Fahrten weckten wieder das Fieber in mir und ich suchte nach einer Möglichkeit, in Japan Auto fahren zu dürfen. Wie ich schnell feststellen konnte, ist das gar nicht mal so schwer. Als Tourist kann man mit einer Übersetzung des deutschen Führerscheins für ein Jahr in Japan ein Auto steuern. Will man bei seinem nächsten Japan-Besuch wieder ins Auto steigen, muss man zwischen beiden Aufenthalten in Japan mindestens drei Monate in seinem Heimatland gewesen sein.
Leider kam für mich diese Variante nicht in Frage, da ich länger als ein Jahr in Japan verweile. Aber auch dafür konnte ich schnell eine Lösung finden. Neben Deutschland können auch Leute aus anderen zwanzig Ländern (z.B. Österreich, Schweiz, Australien, Luxemburg, …) ihren Führerschein in einen Japanischen umwandeln lassen, ohne nochmal eine Fahrschule besuchen oder eine Prüfung ablegen zu müssen. Leute aus anderen Ländern müssen sich allerdings sowohl einer theoretischen als auch einer praktischen Prüfung unterziehen lassen. Mehr zu diesem Thema findet ihr auf meinen anderen Japan-Blog.
Ich habe lange mit mir gerungen, den recht langen Weg zur Prüfungsstelle für Führerscheine auf mir zu nehmen. Schließlich sind Behördengäng in Japan auch mit viel Zeitaufwand verbunden. Gestern war es aber endlich so weit. Es ging nach Kadoma-shi, einer Vorstadt von Osaka. Dafür musste ich trotz freien Tages schon recht früh aufstehen. Gegen 8:45 Uhr stieg ich in den Zug und für innerhalb einer Stunde zur Prüfungsstelle. Dort angekommen, musste ich erstmal ein paar Formulare ausfüllen. Darunter war auch ein Formular, auf dem ich Fragen beantworten musste, wie…
- Wie hieß die Fahrschule, die ich besucht habe?
- Was habe ich in der Fahrprüfung gemacht und wie lange war diese?
- Wie viele Stunden theoretischen und praktischen Unterricht hatte ich?
- Gab es irgendwelche anderen Tests (Gesundheitscheck)?
Nachdem alles ausgefüllt war und am Schalter für in Japan lebende Ausländer abgegeben habe, musste ich mich knapp 45 Minuten gedulden, bis ich erneut zum Schalter musste. Dort wurden mir noch ein paar weitere teilweise komische Fragen gestellt. Natürlich konnte ich mich nicht mehr an alle Einzelheiten meiner elf Jahre zurückliegenden Fahrprüfung erinnern… Allerdings war die junge Dame am Schalter sehr davon angetan, dass während der Prüfung nicht nur der Prüfer, sondern auch der Fahrlehrer im Auto saß und dass die Prüfung auf einer öffentlichen Straße stattfand. Das ist hier in Japan ein wenig anders. Die praktische Prüfung wird auf dem Testgelände der jeweiligen Prüfungsstelle abgehalten.
Nach der kurzen Befragung gab mir die freundliche Beamtin ein paar Zettel in die Hand und erklärte mir, dass ich nun zum Augentest muss. Vor diesem hatte ich am meisten Angst. Schließlich habe ich meine letzte Untersuchung eben vor elf Jahren machen lassen. Damals waren meine Augen eigentlich nicht so schlecht. Trotzdem legte ich mir eine Brille zu, die nur knapp ein Jahr funktionsfähig blieb. Nachdem ich mich auf Brille gesetzt habe und diese zerbrach, war ich weniger traurig darüber. Die Abdrücke auf der Nase und der Schweiß an heißen Sommertagen waren nun Geschichte.
Zurück zum Augentest: Ich hatte die Befürchtung, dass mir vorgeschrieben werden könnte, beim Auto fahren eine Brille tragen zu müssen. Ich begab mich zum Untersuchungszimmer Untersuchungszimmer, vor dem schon ein paar andere Leute standen, die den obligatorischen Test auf sich nehmen mussten. Nun war ich dran: Ich stellte mich ans Untersuchungsgerät und lies alles auf mich zukommen. Der Test war deutlich einfacher als ich gedacht habe. Ich musste nur drei verdrehte “C”s und drei Farben (Ampelfarben) erkennen. Das war’s!
Allerdings hatte ich beim letzten C ein paar Probleme, es richtig zu erkennen. Irgendwie habe ich es dann doch noch richtig erraten. Auch bei den Farben kam ich ein wenig ins Stocken. Nennt man eine farblos aufleuchtende Lampe weiß oder gelb. Und soll ich bei der grün aufleuchtenden Lampe “ao” (blau, aber auch grün) oder “midori” (grün) sagen. Während für mich die Ampeln “midori” sind, sind sie für Japaner “ao”. Trotzdem entschied ich mich für “gelb” und “grün” und hatte den Augentest bestanden.
Sichtlich erleichtert begab ich mich zum x. Mal zum Schalter. Die Beamtin wies mich darauf hin, dass ich einen Führerschein auf Probezeit bekomme, da ich laut meinem Reisepass in den letzten fünf Jahren weniger als ein Jahr in Deutschland gewesen sei (es waren nur 220 Tage). Dummerweise hatte ich vorher nicht daran gedacht und hatte keine anderen Beweise mitgebracht, um zu belegen, dass ich seit meiner Führerscheinprüfung im Jahre 1998 für insgesamt ein Jahr in Deutschland ansässig war. Allerdings frage ich mich, wo ich seit meinem 18. Lebensjahr gewesen sein soll, wenn nicht in Deutschland… Die Bürokratie ist auch in Japan ziemlich steif.
Jetzt muss ich also für ein Jahr zwei Plaketten für Fahranfänger ans Auto anbringen, bevor ich mich auf die Straße begeben darf. Auch wenn ich in den letzten Jahren kaum gefahren bin, habe ich doch schon ein wenig Erfahrung als Autofahrer. Schließlich bin ich früher mehrere Jahre täglich Auto gefahren, bin über zwei Jahre wöchtentlich von Berlin nach Jena gefahren und habe auch während meiner Studienzeit mehrere Male die lange Strecke vom Schwarzwald nach Berlin auf mich genommen. Da kommen schon einige tausend Kilometer zustande.
Neben der nervigen Plakette darf ich mir nur max. drei Strafpunkte (anstatt 6) leisten. Danach gibt es ein teures und langwieriges Seminar, zu dem ich natürlich ungern gehen möchte. Nun muss ich eben ein Jahr besonders aufpassen, sofern ich mal die Gelegenheit habe, ein Auto zu steuern. Aber wenigstens habe ich die Möglichkeit, mir mal ein Auto auszuleihen und an Orte zu fahren, die mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nur umständlich zu erreichen sind.
Doch noch hatte ich meinen Führerschein nicht in der Tasche. Vorher musste ich erstmal zwei Stunden Warterei überbrücken. Kadoma-shi ist nicht wirklich eine sehr interessante Stadt mit vielen interessanten Sehenswürdigkeiten. Zumindest nicht in unmittelbarer Nähe der Prüfungsstelle. Doch zum Glück gibt es in ein paar Minuten Entfernung ein paar Familienrestaurants. Dort machte ich es mir mit meiner besseren Hälfte bequem. Ich aß ein paar Würstchen mit Pommes und lernte ein wenig Japanisch.
Die Zeit verflog recht schnell und ich ging zurück zur Prüfungsstelle. Dort gesellte ich mich zu den anderen Leuten, die auf ihren Fototermin um 13:20 Uhr warteten. Ein Mann rief auf die Minute pünktlich jeden mit Namen auf. Jeder ließ sich nun fotografieren. Anschließend mussten ich zu einem weiteren Warteraum, der zugleich die letzte Station meines Tages bedeutete. Dort musste ich erneut einige Minuten warten, ehe endlich ein alter Mann vorbeikam und wieder alle Wartenden mit Namen aufrief. Wie auch schon der Mann davor, hatte auch dieser ein paar Probleme, meinen Namen aufzusagen. Egal! Ich stand nun vor ihm und holte meinen japanischen Führerschein ab, kontrollierte, ob alles korrekt geschrieben war und begab mich freudestrahlend auf den langen Weg nach Hause.
Wort des Tages: 運転免許証 (untenmenkyoshō = Führerschein)





