Polizeikontrolle und Deutsch im Café
Steffel | 1. August 2009 | 2.781 mal gelesenMal wieder hat mich die Schreibfaulheit gepackt. Vielleicht liegt es am heißen und schwülen japanischen Wetter, mit dem ich mich seit einigen Wochen herumplagen muss. Genug der Ausreden und ab zum eigentlichen Thema.
Vor knapp zwei Wochen habe ich mich mit meinen Futsal-Freunden zum Trinken in Namba, dem suedlichen Zentrum Osakas verabredet. Da das kleine Gelage erst um 21 Uhr anfing, war es schon abzusehen, dass ich nicht mit dem letzten Zug die Heimfahrt antreten werde. Schließlich will man sich ja nicht mitten beim Feiern schon wieder verabschieden.
Insgesamt sind wir bis gegen 3 Uhr morgens im 280 Yen Izakaya geblieben. Da nun kein Zug mehr fuhr, musste ich mich entscheiden, was ich machen soll. Zur Auswahl stand Karaoke bis zum Morgen oder alleine nach Hause laufen. Ich entschied mich für Letzteres. Schnellen Schrittes marschierte ich durch die noch heiße Nacht gen Heimat. Menschen gab es nur noch wenige auf den Straßen. Als ich dann in Umeda, dem nördlichen Zentrum Osakas ankam, musste ich durch eine Straßenunterführung. Auf der anderen Seite standen zwei Polizisten, die beide jeweils in eine andere Richtung starrten und ca. 20 Meter voneinander entfernt waren. Sie würdigten mich keines Blickes, was nun wirklich kein Problem war. Nach rund 150 Metern hörte ich jemanden sich sehr schnell nähern. Einer der Polizisten war es, der sich nun doch für mich interessierte. Er fragte mich auf Japanisch, ob ich denn in der Unterführung genächtigt hätte. Ich antwortete ihm natürlich, dass ich aus Namba käme und nun auf dem Heimweg bin. Er verlangte nun meinen Ausländerausweis, die sogenannte Gaikokujintōrokushō (外国人登録証), die jeder Ausländer, der sich länger als drei Monate in Japan aufhält, stets mit sich führen muss.
Laut Gesetz, benötigt ein Polizeibeamter einen Grund, um sich den Ausweis aushändigen zu lassen. Dabei reicht es schon aus, dass man auf einem Fahrrad fährt. Ich weiß nicht, ob das Nächtigen in einer Straßenunterführung ein triftiger Grund ist, aber da ich ja eigentlich nichts zu verheimlichen habe, zeigte ich dem jungen Beamten meine Karte. Er schaute sie sich kurz an und lobte noch mein Japanisch (das durchaus noch verbesserungswürdig ist). Zum Schluss entschuldigte er sich noch mehrfach und warnte mich vor den herumschleichenden Dieben in Umeda. Sehr freundlich.
Eine andere kleine Geschichte habe ich noch:
Als ich vorgestern in einem Café in der Nähe meiner Wohnung saß, kamen plötzlich drei kleine Mädchen herein. Während eine von ihnen “normal” japanisch aussah, hatten die anderen beiden blonde Haare und sahen nicht wirklich japanisch aus. Irgendwie hörte ich auch eine Sprache, die nicht wirklich nach Japanisch klang, aber ich konnte noch nicht verstehen, um welche Sprache es sich handelte. Als dann noch die Mütter erschienen und alle sich zusammen nach einem geeigneten Tisch Ausschau hielten, konnte ich schließlich verstehen, auf welcher Sprache sich die beiden Blondinen teilweise unterhielten. Die ältere der beiden Mädchen – vielleicht 7 Jahre alt – sagte zu ihrer Mutter (Japanerin): “koko besser”, was soviel wie “hier ist besser” heißt. Dabei deutete die kleine auf den Tisch neben mir.
Oha! Die kleinen sprechen also Deutsch! Natürlich war mein Interesse geweckt. Die ältere der beiden holte ein Kinderbuch heraus und las darin. Es war ein deutsches Kinderbuch, irgendetwas mit Lakritze stand dort als Titel. Interessant war auch, dass die beiden Schwestern sich ausschließlich auf klarem Deutsch unterhielten, aber mit ihrer Mutter auf Japanisch sprachen.
Ach, wie ich die kleinen beneide. Sie können beide Sprachen fließend. Ich muss noch ein paar Jährchen dranhängen, um auch mein Japanisch auf solch ein Niveau zu bringen. Ich habe mir auch vorgestellt, dass meine Kinder – sollte ich jemals welche haben – auch zweisprachig aufwachsen könnten und auch so niedlich sind wie diese beiden. Naja, bis dahin ist es aber noch eine Weile hin. Erstmal die kinderlose Zeit noch ein wenig länger auskosten^^
Wort des Tages: ハーフ (hāfu = Hälfte, Halbzeit oder eben auch Mischling, also Personen, bei denen ein Elternteil japanisch und ein Elternteil ausländisch ist).





