Deutsche Küche
Mrz 08
Mittlerweile arbeite ich schon seit über zwei Wochen in der neuen Firma. Es ist zwar immer noch manchmal ein wenig komisch, aber ich habe mich schon recht gut an die Arbeit gewöhnt. Vorgestern sprach ich mit einem meiner Kollegen. Eine Bekannte von ihm liebt deutsches Brot und bäckt seit kurzem auch welches daheim. Ihr Traum wäre es, dieses via Internet in Japan zu verkaufen. Ob das nun klappt, sei mal dahingestellt. Ein Versuch ist es allemal wert.
Während unseres Gesprächs erzählte er mir auch von der kleinen Party, auf der mein Kollege bei seiner Bekannten deutsche Speisen kochen möchte und lud mich zu dieser Party ein. Obwohl ich ihn noch nicht gut kannte und ich eigentlich nicht so gerne alleine zu fremden Leuten gehe, begab ich mich gestern in den Norden Osakas. Dort wurde ich am Bahnhof von der Bekannten meines Kollegen abgeholt und zu ihrem Haus chauffiert. Es waren mittlerweile schon alle anderen Teilnehmer da. Einen kleinen Schock bekam ich, als mir -eine Blondine mit Maid-Kostüm ins Auge stach. Eine Britin mit indischen Wurzeln, die sich die Haare gefärbt und sich eben dieses “interessante” Kostüm angezogen hat. Die anderen Teilnehmer, bis auf meinen Kollegen alles Japanerinnen, waren dagegen in normalem Outfit erschienen, so dass ich dann mir doch nicht dachte, dass ich irgendwas falsch gemacht habe ^^
Anscheinend haben manche Japaner keine Ahnung, wie man eine Weinflasche öffnet. Viele Weinflaschen haben hier keinen Korken, sondern einen normalen Drehverschluss. Somit sah es ziemlich lustig aus, wie die Dame des Hauses versuchte, den Korken zu ziehen. Schließlich erteilte man mir die Ehre, die Flasche zu öffnen ^^
Nachdem wir auf unser Wohl angestoßen haben, war es endlich soweit. Der erste Gang bestand aus einer sehr leckeren Suppe und einen ebenso schmackhaften Salat. Woraus die Suppe bestand, weiß ich leider nicht, aber sie war sehr cremig und enthielt verschiedenes Gemüse. Zum Salat gab es dann das selbstgemachte Brot, das dem deutschen Brot nicht nur vom Aussehen recht ähnlich war. Endlich wieder mal deutsches Brot essen! Darauf musste ich nun ein Jahr warten. Das letzte Mal habe ich genau vor einem Jahr dunkles Brot essen können, als ich zu Besuch in Berlin war.
Es gab sogar Leberwurst, die ich hier in Japan bisher noch in keinem Geschäft gesehen habe. Natürlich nutzte ich die Chance und schmierte mir die Brote damit.
Obwohl ich mit knurrendem Magen zur Party kam, war ich schon nach den Vorspeisen recht satt. Aber als die Hauptspeisen (Kartoffelbrei mit Gemüse, Bratkartoffeln mit saftigem Speck und Hühnchen) aufgetischt wurden, konnte ich nicht anders und aß anschließend eine zweite Portion. Währenddessen trank ich unzählige Gläser deutschen Wein.
Mittlerweile waren alle Teilnehmer satt. Aber es gab noch das Dessert (selbstgemachtes Apfelkompott mit Vanilleeis). Nach einer kleinen Pause wurde es dann schließlich aufgetischt. Am ganzen Tisch sah man plötzlich sehr glückliche Gesichter. Auch wenn der Magen schon zum Platzen voll war und der Hosenknopf drohte, sich wie eine Pistolenkugel von der Hose zu trennen und meinem Gegenüber zu treffen, genoss ich jeden einzelnen Löffel vollends.
Ich hätte gerne noch mal alles essen wollen, aber nach dem Dessert ging nun wirklich nichts mehr in meinen Magen. Mit leichten Magenschmerzen trat ich dann den Heimweg an und leide jetzt noch – über 24 Stunden danach – vom Fressgelage.
Meinem Kollegen und auch der Dame des Hauses gilt mein größter Dank. Beide haben wirklich sehr gut gekocht bzw. gebacken. Sollte ich Zeit haben, bin ich beim nächsten Mal wieder gern dabei. Für knapp 15 Euro war das wirklich ein sehr günstiger Spaß.
Wort des Tages: 苦しい (kurushii = schmerzhaft, schmerzend, schwer, quälend)
Das Wort benutzt man unter Anderem auch, nachdem man zu viel gegessen hat und der Magen schmerzt. Genau so habe ich mich gestern Abend gefühlt^^

Manchmal muss man das eigene Land einfach mit den Augen eines Ausländers gesehen haben, um seine Schönheit wertschätzen zu können.
In Füssen (nahe Schloss Neuschwanstein, der japanischen Kolonie
) gibt es z.B. ein super Restaurant namens “Gasthof Krone”. Super leckeres Essen dort und tolles Ritterambiente. Und in Freiburg gibt’s natürlich auch gute deutsche Restaurants.
Oder eben mit dem Magen eines Ausländers. ^_^
Nami und ich haben in den letzten Tagen auch haufenweise leckeres, deutsches Essen gegessen.
Ja, wenn du lange genug im Ausland warst, vermisst du die Küche deines eigenen Landes.
Ich vermisse deutsches Brot und… Knusperflocken^^
Falls Nami-can noch Platz hat, kannste ihr ja noch Brot mitgeben
Hi Steffel, wir in Tokio haben eine deutsche Bäckerei und die versendet das Brot auch! Hier gibt es die Info’s:
http://hgm65.over-blog.com/article-deutsche-backerei-40831751.html
Schöne Grüsse Jack