Ab in die Grundschule!
Steffel | 5. September 2007 | 514 mal gelesenEndlich gibt es mal wieder etwas Neues zu berichten! Gestern gegen zwölf Uhr bin ich nach Ibaraki gefahren, um mich dort mit Herrn Suzuki, einem 73-jährigen Japaner zu treffen, den ich über Maquis-chan kennengelernt habe. Zusammen mit ihm bin ich dann zur Schule gefahren, in der Maquis-chan arbeitet.
Dort angekommen, durften wir erstmal im Lehrerzimmer Platz nehmen, bevor wir uns auf den Weg zu den Zweitklässlern machten. Da gerade große Mittagspause war, durften wir mit den kleinen Rackern zusammen essen. Doch bevor wir uns auf das Essen stürzen konnten, mussten Herr Suzuki und ich uns vorstellen. Die Kinder waren allesamt noch sichtlich geschockt, dass ein Ausländer plötzlich den Raum betrete hat. Während ich gegessen habe, schauten mich die Kinder fast ununterbrochen an.
Nach dem Essen brach dann ihre Scheu und sie fingen an, mich mit Fragen zu durchbohren. Kurz bevor ich den Raum verließ, wollte plötzlich ein Mädchen ein Autogramm von mir haben. Na gut, ein Autogramm… wenn es sie glücklich macht. Doch plötzlich kamen noch weitere zehn Kinder an und wollten ein Autogramm haben. Ich war natürlich einerseits sehr angetan, aber irgendwie fühlte ich mich auch sehr komisch, denn schließlich bin ich weit davon entfernt, irgendeine Berühmtheit zu sein, von der man Autogramme haben möchte.
Nach der (ersten) kleinen Belagerung konnte ich den Raum verlassen, und Maquis-chan zeigte mir dann die anderen Etagen. Fast alle Kinder waren außer sich, als sie mich sahen. Sie folgten uns überall hin. Plötzlich war ich alleine – umzingelt von 15 bis 20 Kindern, die mich mit Fragen bombardierten und mich unbedingt anfassen wollten. Maquis-chan und Herr Suzuki standen ein paar Meter entfernt und grinsten als ich um Hilfe schrie ![]()
Da es sehr sehr heiß war (wie immer um die 35 Grad), aber auch weil ich in die Enge getrieben wurde, brauchte ich mein Tüchlein, um meinen Schweiß vom Gesicht abzuwischen. Ich öffnete meine Tasche und nahm das Tuch heraus. Wie für Kinder typisch, wollten sie unbedingt wissen, was ich in meiner Tasche habe. Nach vergeblichen Abwehrversuchen, ließ ich sie in meine fast leere Tasche blicken. Sie waren alle sehr erstaunt, als sie mein Kanji-Heft sahen, in das ich meine erlernten Kanji schreibe.
Endlich konnte ich mich, dank eines kleinen Mädchens, das mich besonders ins Herz geschlossen hatte, befreien. Es ergriff meine Hand und führte mich durch mehrere Klassenräume, in denen ich wieder von anderen Kindern belagert wurde. Meine Rettung war dann die Bibliothek. Dort durften die meisten Kinder anscheinend nicht rein, so dass ich mich dort erholen konnte
Nach einer kleinen Pause ging es dann in den nächsten Unterricht. Es ging diesmal in eine andere Klasse von Zweitklässlern, die gerade am Computer Subtraktionsaufgaben lösen mussten. Ich durfte auch daran teilnehmen und war mit Abstand als Erster fertig und hatte sogar alles richtig!!! ![]()
Während des Unterrichts entfernte sich Maquis-chan. Ein kleines chinesisches Mädchen führte uns nach dem Unterricht in die Klasse, in der Maquis-chan unterrichtete. Es war eine Klasse für ausländische Kinder. Hauptsächlich waren es chinesische Kinder, aber es war auch ein mongolisches Geschwisterpaar dabei, sowie eine Halbjapanerin, die einen afroamerikanischen Vater hat. Wie in jeder Klasse mussten Herr Suzuki und ich uns vorstellen. Danach gab es ein paar kleine Süßigkeiten und schließlich wurden ein paar sehr leichte Floskeln auf Chinesisch, Japanisch, Deutsch, Englisch und Mongolisch an die Tafel geschrieben.
Nach dieser Stunde mussten wir uns (leider) wieder auf den Weg machen. Maquis-chan musste noch in eine Besprechung. Herr Suzuki und ich fuhren nun zu einer deutschen Bäckerei namens Felsen. Dort gab es wirklich sehr leckeren Kuchen und sogar Schwarzbrot. Das sieht man hier in Japan nur äußerst selten. Die beiden Angestellten waren wirklich sehr nett und spendierten mir neben einem kleinen Stück Kuchen sogar ein ganzes Walnußbrot! Auch Herr Suzuki war so nett und gab mir für Yuko und mich zwei Kuchen mit.
Es war wirklich ein sehr schöner Tag. Ich wünschte mir, dass ich wieder in die Grundschule gehen könnte – diesmal in eine japanische und natürlich als Schüler
Auf den Fotos könnt ihr neben Fotos aus der Schule auch Bilder von unserem Treffen mit Yuko, Maquis-chan, Herrn Suzuki und seiner Frau sehen. Wir waren zuerst in einem irischen Pub und anschließend in meiner Lieblingskneipe, ein typisch japanisches Lokal mit zwei wirklich lustigen Kellnern. Wenn ihr mal hier in Osaka seid, müsst ihr unbedingt dort mal hin!
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