Selbstmord und seine Folgen
Steffel | 12. Juli 2008 | 3.506 mal gelesenJapan ist ja recht bekannt dafür, dass es dort viele Selbstmorde gibt. Laut einer Statistik, die ich vor kurzem gesehen habe, begehen 24 von 100.000 Menschen pro Jahr Selbstmord. Im Vergleich dazu sind es es “nur” 13 Menschen von 100.000, die in Deutschland Selbstmord begehen.
Die vielen, wenn nicht sogar die meisten Selbstmorde erscheinen als Nachrichten in den Zeitungen und Online-Portalen. Das ist wahrscheinlich auch ein Grund, warum Japan so bekannt für seine hohe Selbstmordrate ist. In deutschen Zeitungen liest man eher selten etwas über begangene Selbstmorde.
Warum schreibe ich jetzt über dieses Thema?
Gestern war ich abends in meiner Sprachschule in Ibaraki. Gegen 20:15 Uhr hatte ich Feierabend und wollte mit dem Zug zurück nach Osaka fahren. Der nächste Bahnhof ist nur ein paar Schritte von der Schule entfernt und gehört zur sogenannten JR (Japan Railways). Als ich oben bei den Fahrkartenautomaten war, vielen mir die ungewöhnlich vielen Leute auf, von denen viele mit ihren Handys telefonierten. Unter ihnen waren auch vier oder fünf Polizisten. Nichtdestotrotz wollte ich mir einen Fahrschein kaufen und schnell nach Hause fahren. Aber alle Automaten waren außer Betrieb. Ein Blick auf die Anzeigetafel verriet mir, dass alle Züge in beide Richtungen mindestens eine halbe Stunde Verspätung hatten. Ich wartete noch knapp zehn Minuten. Leider passierte nichts. Zum Glück kenne ich mich in Ibaraki recht gut aus und weiß, dass es noch einen Bahnhof einer anderen Zuggesellschaft in der näheren Umgebung gibt. Obwohl ich recht flott unterwegs war, dauerte es knapp 15 Minuten ehe ich diesen Bahnhof erreichte. Natürlich waren die Züge dort recht voll, da anscheinend viele schon von anderen Bahnhöfen von JR zu Hankyu (die andere Zugesellschaft) gewechselt sind.
Schließlich konnte ich daheim nachprüfen, dass sich meine Vermutung bewahrheitete. Jemand hat mal wieder Selbstmord begangen, indem er/sie sich vor den Zug geworfen hat…
Übrigens ist JR dafür bekannt, dass viele dort Selbstmord begehen. Ich habe mal gelesen, dass die Geldstrafen für die Familienangehörigen geringer sind als bei der Konkurrenz, und die Leute deswegen JR bevorzugen. Es ist sehr traurig, dass jemand überhaupt Selbstmord begeht. Es gibt (fast) keinen ausreichenden Grund für einen Selbstmord.
Auch wenn es jetzt etwas böse klingt: Ich finde es nur sehr egoistisch, dass diese Leute sich vor den Zug werfen und somit viele andere Menschen benachteiligen. Es sind nicht nur die Fahrgäste, die dadurch viel später ihr Fahrziel erreichen, sondern auch die Angehörigen, die neben dem Verlust eines Familienmitgliedes und der damit verbundenen großen Trauer auch noch die enorm hohen Kosten bezahlen müssen. Für den Zugführer und die Leute, die dann die Leiche sehen, ist es auch eine extrem schlimme Erfahrung.
Übrigens haben sich in diesem Jahr schon sehr viele Menschen in Japan durch eine giftige Gasmischung das Leben genommen. Gerade diese Variante scheint momentan sehr “in Mode” zu sein. Leider verbreiten sich diese giftigen Gaswolken recht stark, so dass auch schon Nachbarn gesundheitliche Schäden davongetragen haben…





