Tomodachi Café
Steffel | 5. Juli 2007 | 1.943 mal gelesenBevor ich auf das eigentliche Thema eingehen werde, möchte ich euch noch eine kleine Geschichte erzählen, die schon vor einigen Wochen passiert ist. Mein deutscher Freund hier in Osaka, Till, hat nun auch eine Freundin gefunden. Eines Tages fragte er mich, ob ich nicht mit ihm zu einem Yakitori-Restaurant (gebratenes Hühnerfleisch) gehen möchte, in dem seine Freundin nebenbei arbeitet. Ich ging natürlich mit, da es mich schon sehr interessierte, wie die neue Unbekannte denn so ist. Nachdem wir uns zuerst im Geschäft geirrt haben, fanden wir – etwas verspätet – das richtige Restaurant.
Dort erwartete uns eine lustig und nett ausschauende junge Frau – Tills Freundin. Wir setzten uns an die Bar und ließen uns von ihr (auf Deutsch!!) beraten, was wir denn so essen könnten. Ja, auch Tills Freundin beherrscht die deutsche Sprache schon sehr gut und war sogar schon für ein Jahr in Deutschland.
Till stellte mich dann nach ein paar Minuten vor: “Das ist Steffen, nicht Stefan.”, sagte er. Daraufhin fragte Masami, so heißt sie, ob ich denn Steffen aus Furtwangen sei. Ich war natürlich erstmal geschockt und dachte, dass Totoro ihr von mir erzählt hatte. Er verneinte dies, und schließlich sagte Masami zu mir, dass eine Freundin von ihr mit mir zusammen auf dem Freiburger Weihnachtsmarkt war. Dabei handelte es sich um Chiharu, die ich im letzten Dezember zusammen mit einer anderen Freundin von ihr aus China (?), sowie Sangwoo getroffen habe. Chiharu kannte ich vorher nur aus Mixi, einer japanischen Online-Community ganz nach Studivz… eben nur viel besser ![]()
Wow, die Welt ist wirklich ein Dorf!
Nun kommen wir zum eigentlichen Thema:
Letzten Donnerstag habe ich mich mit Maquis-chan irgendwo zwischen Osaka und Kyoto getroffen. Der Bahnhof hieß Nagaokakyo. Wie Maquis-chan mir erzählte, waren wir einige Wochen vorher schon mal dort, als wir auf dem Weg zur Suntory-Brauerei waren – sehr schöne Erinnerungen ![]()
Achtung! Nicht vom Thema abkommen!
Als wir uns dann irgendwann auf dem Bahnhof getroffen haben, machten wir uns auf den Weg zum “Tomodachi Café”. Tomodachi bedeutet auf Deutsch Freund. Also ging ich schon von der richtigen Annahme aus, dass ich dort auch andere Ausländer treffen könnte. Bei diesem Café handelte es sich aber um ein ganz normales Izakaya. Wir wurden zu einem keinen Raum geführt, in dem schon ein paar Japaner, sowie ein älterer Italiener saß, der mir doch sehr bekannt vorkam.
Da wir nun zu viele Leute für so einen kleinen Raum waren, zogen wir in einen größeren Raum um, wo wir uns erstmal richtig vorstellten. Dann bewahrheitete sich auch meine Vermutung, dass ich den (zugegeben ziemlich dicken) Italiener schon mal getroffen habe. Genau! Bei GLS, meiner Sprachschule. Ich habe ihn ca. eine Woche vorher zum ersten Mal bei GLS getroffen. Er arbeitet gelegentlich dort.
Bei den anderen Teilnehmern handelte es sich um zwei Japanerinnen, sowie zwei älteren Japanern, die beide sehr lustig waren. Hauptsächlich wurde auf Englisch geredet. Das war für mich natürlich sehr angenehm, und ich war auch erstaunt, dass alle es ziemlich gut beherrschten. Ich saß neben dem wohl ältesten Teilnehmer, einem grauhaarigen Japaner, der anscheinend als kleines Kind in ein Bierfass gefallen ist. Kaum kam die Kellnerin mit einem Bier, war das Bierglas auch schon wieder leer. Und dabei handelte es sich nicht um ein kleines Glas! Tja, am Ende sollte sich sein ungezügelter Genuss auch rächen. ![]()
Insgesamt war das Zusammensein wirklich sehr lustig. Der alte Mann schenkte uns noch ein paar Süßigkeiten und bat uns um einen Test. Wir sollten alle ein Stück von der Schokolade in unser Glas schmeißen. Dann erzählte er etwas von der Mondlandung und dass gleich etwas Ähnliches passiert. Ich dachte zuerst, dass die Schokolade aus dem Glas katapultiert wird. Das war es dann aber nicht. Trotzdem war es sehr überraschend zu sehen, wie die Schokolade etliche Male nach oben stieg und wieder nach unten fiel.
Der andere ältere Mann kam übrigens aus der gleichen Sadt wie Yuko, was schon eine ziemliche Seltenheit ist. Er möchte Yuko natürlich gerne kennenlernen. Schließlich verbindet sie die gleiche Heimat.
Irgendwann später kam dann noch die Chinesischlehrerin einer der beiden Japanerinnen vorbei, eine wirklich sehr nette Frau, die über eine Japanischlehrer-Lizenz verfügt. Dazu sollte erwähnt werden, dass diese Lizenz wirklich nur sehr schwer zu erhalten ist – für Japaner! Alle waren erstaunt, als sie davon hörten. Anscheinend spricht sie besser Japaner als ein durchschnittlicher Japaner. Damit nicht genug: Diese Frau hatte auch noch eine sehr gute Stimme, die sie uns beim Singen chinesischer Lieder präsentierte.
Übrigens ist Gianni, der Italiener, auch kein schlechter Sänger. Er singt beruflich in einem Restaurant, und auch er konnte es nicht lassen, ein paar italienische Lieder mit lautester Stimme zu singen. Da nun die beiden schon gesungen hatten, musste ich auch daran glauben. Also sang ich das nächte Lied, das mir einfiel: Hoch auf dem gelben Wagen
Irgendwann ging der gemütliche Abend zu Ende und wir machten uns auf den Heimweg. Der alte Mann war nun sichtlich betrunken und konnte nicht mehr richtig laufen und sprechen. Als wir am Bahnhof angekommen waren, haben wir ihn in ein Taxi gesteckt. Er wohnt dort in der Nähe, aber sicher ist sicher





