Deutschlandreise 2008
Vom 15. bis zum 24. Mai 2008 sind Yuko und ich nach Deutschland geflogen. Neben meiner Heimatstadt Berlin sind wir auf unserer Hochzeitsreise auch nach Halle, Dresden, Prag und München gefahren. Auf den folgenden Seiten könnt Ihr nun ein kleines Tagebuch unserer Reise lesen und somit gemeinsam mit uns diese schöne Zeit zeitverzögert erleben.
Viel Spaß wünschen euch
Yuko & Steffen
Auswahl:
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Wir, meine Frau und ich, waren vom 15. Mai bis zum 24. Mai in Deutschland, um dort unter anderem unsere Flitterwochen zu verbringen, eine zweite Hochzeitsfeier zu veranstalten und einfach um meine Frau meinen Verwandten und Freunden vorzustellen.
Wir flogen mit der zu diesem Zeitpunkt billigsten Fluggesellschaft KLM über Amsterdam nach Berlin. Dieser Flug sollte insgesamt länger als 15 Stunden andauern. Trotz dieser Länge ging die Zeit im Flugzeug recht schnell vorüber. Grund dafür war die enorme Filmauswahl bei KLM. Ich habe mir fünf Filme auf Deutsch angeschaut und schon waren wir in Amsterdam. Dort wurden 50% von uns sehr freundlich mit einem “Konchiwo” begrüßt. Obwohl meine Frau Japanerin ist, konnte nur ich den netten Holländer verstehen. Als er schließlich nach seinem vierten oder fünften erfolglosen Versuch aufgegeben hatte, erklärte ich ihr, was der Kontrolleur mit seinem Gestummel eigentlich meinte.
Ich wurde leider nicht so freundlich in Europa begrüßt. Mir wurden nur kalte Blicke zugeworfen und schließlich wurde ich noch (leider von einem Mann von oben bis unten abgetastet.
Als wir schließlich die Kontrolle passiert hatten, suchten wir einen Aufenthaltsort, um auf den Anschlussflug zu warten. Während wir auf bequemen Liegestühlen saßen, beobachteten wir einen kleinen Spatz, der sich in den Aufenthaltsraum verirrt hatte. Ob der kleine Fratz es irgendwann wieder in die Freiheit geschafft hat, wird uns leider immer ein Rätsel bleiben…
In Berlin angekommen, wurden wir sehr stürmisch von meiner Schwester und Mutter empfangen. Während wir auf unsere Koffer warteten, sah ich schon meine hüpfende Schwester mit einem Transparent, auf dem ein Foto von uns zu sehen war.
Übrigens war es das erste Mal, dass sich meine Frau und meine Schwester persönlich trafen. Trotzdem verstanden sich beide auf Anhieb sehr gut. ![]()
Nach vielen Umarmungen fuhren wir zu meiner Mutter nach Hause und aßen erstmal ein leckeres Abendbrot. Obwohl wir totmüde waren, wollte meine Frau unbedingt noch etwas von Berlin sehen. Sie konnte mich überreden. Und so machten wir uns zu viert mit dem Auto auf den Weg zur Gedächtniskirche, Europacenter, Hackeschen Markt, Oranienburger Straße etc. Unterwegs kam ich noch in den Genuss eines arabischen Kaffees, der mir aber nicht half, wieder munter zu werden.
Gegen 1 Uhr morgens kamen wir schließlich wieder zu Hause an. Dann ging es schnell unter die Dusche und ab ins Bett. So schnell bin ich schon lange nicht mehr eingeschlafen…
Obwohl wir am Vortag erst sehr spät ins Bett gegangen sind, sind wir am nächsten Morgen auch sehr früh aufgestanden. Schließlich gab es noch einige Dinge vor der Party, die zwei Tage später stattfinden sollte, zu erledigen.
Nach ausgiebigem Frühstücken, sind wir zur Sparkasse gegangen, um dort mein Bankkonto aufzuloesen. Wozu brauche ich ein Konto, das nur in Deutschland gueltig ist und fuer das ich unnoetig Gebuehren zahlen muss. Waehrend des Gespraechs mit dem ziemlich lustigen Typen von der Sparkasse, sagte er mir, dass mein Konto ja kostenlos sei und es somit keinen Grund gaebe, das Konto aufzuloesen. Daraufhin fragte ich, warum es denn kostenlos sei. Er erwiderte mir, dass ich ja noch Student sei und es fuer Studenten kostenlos ist. Ich zwinkerte zu Yuko und befahl dem Kerl, dass er mein Konto doch schnellstens aufloesen soll
Nachdem wir diesen zeitraubenden Akt beendet hatten, sind wir zu C&A gegangen, um fuer mich einen Anzug zu kaufen. Wir kamen zum Glueck schnell zu einem Ergebnis. Yuko brachte einen recht huebschen Anzug, der mit 99 Euro (plus Krawatte und Weste) sehr guenstig war. Da es bei C&A auch andere ziemlich huebsche Sachen gab, haben wir noch eine Shorts und zwei T-Shirts fuer mich gekauft ![]()
Anschliessend sind wir als Belohnung fuer die harte Arbeit zu einem Strassencafe gegangen und haben einen Cafe Latte getrunken.
Nun war es hoechste Zeit, Kaori-chan abzuholen. Diese kam mit dem ICE aus Goettingen nach Berlin. Also machten wir uns auf den Weg zum Hauptbahnhof. Dort angekommen fanden wir nicht nur Kaori-chan vor, sondern auch noch Totoro und Masami. Spontan entschieden wir uns zu Totoros Wohnung zu fahren, um dort noch bei Kaffee und sehr leckerem Kuchen (Streusselkuchen, zwei verschiedene Obsttorten und Bienenstich) unser zweites Treffen in dieser Woche (erst in Osaka, nun in Berlin) zu feiern.
Bei diesem Treffen konnte ich auch endlich mal Totoros Vater kennen lernen.
Nachdem wir Totoros Kuchen- und Kaffeevorräte aufgefuttert hatten, machten wir uns auf den Weg zu meiner Schwester. Die erwartete uns schon sehnsüchtig. Dort tranken wir einen Tee und machten noch ein wenig Unsinn. Da die Zeit knapp war, gingen wir schon nach recht kurzer Zeit nach Hause zurueck. Schließlich musste ich noch ein paar Vorbereitungen treffen… (Stichwort: Tischtennis)
Abends sind Kaori, Yuko und ich ins Stadtzentrum gefahren. Waehrend Yuko und Kaori einkaufen gingen, bin ich meiner alten Leidenschaft nachgekommen: Tischtennis!
Ich rannte schnell zur alten Sporthalle, zog mich um und musste mit Erschrecken feststellen, dass ich meinen Tischtennisschlaeger bei meiner Mutter vergessen hatte. Zum Glueck gibt es ja noch meinen alten Kumpel Micha, der immer mehrere Schlaeger zum Training mitnimmt.
Mein Vater war schon vor meiner Ankunft in der Sporthalle. Wir redeten kurz miteinander. Danach konnte ich endlich wieder RICHTIG Tischtennis spielen. Anfangs war es noch nicht gerade hochklassig. Aber als ich mich mit Micha einspielte,, kam ich halbwegs zu alter Staerke zurueck.
Bevor ich zum Training ging, habe ich mit Yuko vereinbart, dass wir uns so gegen 22 Uhr wieder treffen wollten. Als ich auf die Uhr schaute, war es schon 22:45 Uhr. Ich wusste schon, was auf mich zukommt. Aber der Gentleman schweigt in dieser Situation. ![]()
Yuko und Kaori waren vor irgendeinem Restaurant. Nach eifrigem Suchen fanden mein Vater und ich die beiden. Wir entschlossen uns ein Bierchen zu trinken. Das taten wir dann auch. Da es schon kurz vor Mitternacht war, musste Kaori und mein Vater die Heimreise antreten. Yuko und ich dagegen gingen zu meiner Lieblingskneipe namens Anna Koschke. Dort warteten schon ein paar meiner Freunde. Zwei von ihnen hatten schon eine Wette laufen, ob wir noch erscheinen oder nicht. Tja, Micha hatte die Wette verloren und musste dem anderen ein Bier spendieren.
Martin, ein alter Schulfreund, der eigentlich in Peking wohnt und arbeitet, war auch gekommen. Fuer ihn war es der letzte Tag in Berlin. Er begruesste speziell Yuko wie ein Gentleman. Da er auch recht gut Chinesisch und Kanjis lesen kann, hatten er und Yuko gleich mal ein gutes Gespraechsthema.
Wir verteilten unsere Souvenirs. Michael hatte sich Snacks aus getrocknetem Natto gewuenscht. Seinem Wunsch gingen wir auch nach. Bis auf ihn verzogen alle ihre Gesichter als sie davon probierten. Fuer mich war es eine Wonne, diese Gesichter zu sehen
Leider geht auch der schoenste Abend irgendwann zu Ende. Da es schon gegen 2 Uhr war, mussten wir nach Hause zurueckkehren. In Berlin fahren nachts zum Glueck noch S-Bahnen. Als wir zu Hause ankamen, war es schon 3 Uhr. Meine Mutter war noch wach und schickte uns ins Bett ![]()
Ein ereignisreicher Tag ging damit zu Ende.
Wieder sind wir frueh aufgestanden, um den Tag auszunutzen. Nach leckerem Fruehstueck made by Mutti fuhren wir zu dritt zu einem tuerkischen Markt. Dort gibt es Obst und Gemuese zu billigsten Preisen. Wir kauften fuer unterwegs eine Tuete Mandarinen und vier Apfel (Granny Smith, meine Lieblingsaepfel!). Anschließend gingen Yuko und ich ins Stadtzentrum, um uns mit Kaori-chan zu treffen.
Wir machten eine grosse Stadtbesichtigung und gingen unter anderem zum Gendarmenmarkt, Brandenburger Tor, Unter den Linden, Hackesche Höfe, Alexanderplatz, Museumsinsel und zum Kunstmarkt.
Auf dem Weg zum Brandenburger Tor quatschte uns ein Mann mit franzoesischem Akzent an. Zuvor hatte er uns schon ein wenig laenger ins Visier genommen. Ich hatte vergeblich versucht, ihn zu ignorieren
Drei Jahre ohne Praxis und dann noch mitten im Stadtzentrum von Berlin, in einem nagelneuem Auto, das nicht mir gehoert… Ich stand unter grosser Anspannung. Wie durch ein Wunder ueberstanden wir diese Autofahrt unfallfrei.
Fuers unfallfreie Fahren gab’s dann noch zwei Kinokarten, die wir aber nicht mehr nutzen konnten. Dafuer freute sich jemand anderes ueber diese Karten..
Wir setzten unseren Weg zum Brandenburger Tor fort. Ueber einige Umwege kamen wir zum Kunstmarkt. Dort gab es viele interessante Bilder und Figuren, aber auch zwei eklige alte Maenner. Ich lief ein, zwei Meter von Yuko entfernt. Als wir diese zwei Schmalzlocken passierten, sagte der eine zum anderen in einem sehr unangenehmen Ton: “Die gefaellt mir”. Beide starrten Yuko noch hinterher. Das “Opfer” bekam davon aber gar nichts mit, obwohl sie viel naeher an den beiden vorbeilief als ich
Am S-Bahnhof Hackescher Markt angekommen, suchten wir uns eines der vielen Restaurants in der Naehe des Bahnhofs aus. Leider erwischten wir das Restaurant mit den unhoeflichsten Kellner. Servicewueste Deutschland – manchmal trifft das wirklich zu. Fuer sein unfreundliches Benehmen bekam der Kerl auch nur ein sehr geringes Trinkgeld. Das kommt davon
In Berlin gibt es auch ein Mitsukoshi. Die beiden Maedels fuehlten sich fast heimisch, als sie in den Laden traten, aber als sie die Preise sahen, fielen sie vor Schreck fast um. Yuko wollte sich ein paar Haarklammern kaufen. In Japan bekommt man die fuer vielleicht 100 Yen. Im Mitsukoshi in Berlin wollte man 2 oder sogar 3 Euro dafuer haben. Trotz der hohen Preise war der Laden knackevoll. Wir trafen auch auf ein paar andere Japaner, die dort auf Einkaufstour waren. Wir verließen das Geschaeft so schnell wie wir gekommen waren und gingen zur naechsten Drogerie. Dort kauften wir die gewuenschten Klammern fuer ein Drittel des Preises von Mitsukoshi.
Wir brauchten nur die Strassenseite zu wechseln, um zu den Hackeschen Hoefen zu gelangen. Dort klapperten wir fast jeden einzelnen Hof ab. Endlich fanden wir den Ampelmann-Shop. Es gab viele lustige Sachen dort, aber wir kauften nichts. Dafuer probierten wir die Fruchtgummi in Form eines Ampelmanns, die kostenlos angeboten wurden.
Es war schon frueher Abend und meine Schwester wartete schon bei sich daheim auf uns. Und so setzten wir uns in die S-Bahn und fuhren zu ihr. Auf dem Weg vom Bahnhof zu ihrer Wohnung kamen wir an einem Getraenkeladen fuer alkoholische Getraenke vorbei. Dort war ein Pappschild aufgestellt, auf dem “Rothaus Tannzaepfle” stand. Das ist ein Bier aus dem weit entfernten Schwarzwald und zufaellig Yukos Lieblingsbier. Diese Chance wollte sich Yuko nicht entgehen lassen und stuermte in den Laden. Als wir das Bier nicht finden konnten, gingen wir zum Verkaeufer und fragten diesen. Der bewegte mit letzter Kraft seinen Finger und zeigte in die Richtung, wo sich das Bier befindet. In Japan waere der Verkaeufer mit vielem Entschuldigen zum Bier geflitzt, um es uns zu zeigen. Naja… in Deutschland weht ein anderer Wind. Yuko kaufte zwei, drei Flaschen.
Schließlich kamen wir bei meiner Schwester an. Dort tranken wir genuesslich Bier, Sambuca (Anislikoer mit 40%) und Rotwein. Dazu gab es Erdnussflips.
Meine Schwester hat zwei suesse Kaetzchen. Leider sind diese nicht gerade sehr zutraulich. Nach einer Weile traute sich wenigstens Cookie aus seinem Versteck und liess sich sogar kurz anfassen. Elvis, der andere Kater, sass dagegen bis zum Schluss in seinem Versteck. Wir trieben ‘ne Menge Unfug bei meiner Schwester. Und so kam es, dass Yuko und ich uns mit martialischen Bewegungen bekaempften. Natuerlich nur zum Spass ![]()
Nach ein paar lustigen Stunden mussten wir wieder die Heimreise antreten, denn der naechste Tag sollte sehr ereignisreich werden…
Heute war der große Tag: unsere Hochzeitsfeier (nicht in, aber immerhin bei Berlin).
Doch bevor es losging, mussten noch einige Dinge getan werden. Wir standen allesamt früh auf und aßen wie üblich ein üppiges Frühstück. Danach machten meine Mutter, eine “Stiefschwester” Bella und ich uns auf den Weg, Kaori-chan abzuholen. Anschließend fuhren wir den langen Weg nach Neuenhagen, das am anderen Ende von Berlin liegt. Dort angekommen, legten wir sofort los mit den letzten Vorbereitungen: Tische dekorieren, Girlanden aufhängen, Luftballons aufblasen und so weiter und so fort…
Während wir uns abrackerten, saß Yuko noch daheim und ließ sich von Bellas Freund, der idealerweise Friseur von Beruf ist, die Haare herrichten. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Auch Yuko war von den Künsten des kostenlosen Friseurs sehr angetan.
Gegen 14 Uhr kam dann der zweite Trupp (Yuko, Achim, Stefan und Boris). Fast alles war bis zu diesem Zeitpunkt vorbereitet. Nun hieß es also warten, warten, warten.
Jeder Gast sollte mit einem Gläschen Sake (oder Apfelsaft für die Autofahrer) vom Brautpaar begrüßt werden. Ich sollte reichlich Sake trinken dürfen, denn die Gäste kamen alle in vielen kleinen Gruppen angereist, so dass ich bei jeder Gruppe ein neues Gläschen ausschlürfen durfte.
Meine Verwandten kamen fast alle vor meinen Freunden an. Bis auf meinen Kumpel Krauti plus Freundin kamen alle mindestens eine Stunde nach vereinbarten Beginn (15:00 Uhr). Von Krauti erfuhr ich dann, dass ich bei meiner Einladung vergessen habe, die Uhrzeit anzugeben. Nur meinem Freund Sascha habe ich es in einer kurzen Email geschrieben. Glücklicherweise ist Sascha doch sehr kommunikativ und hat es allen eingeladenen Freunden weitergegeben. So kamen alle immerhin spät, aber nicht zu spät zur Feier. ![]()
Die Hochzeitstorte stand schon für den Anschnitt bereit. Obwohl bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht alle Gäste erschienen waren, nahmen Yuko und ich das große, alte (und leider auch stumpfe) Küchenmesser in die Hände und legten los. Nach ein paar Sekunden hatten wir den Dreh raus, wie wir den Kuchen ohne größere Katastrophen zweiteilen konnten. Nach getaner Arbeit stießen wir alle mit einem Glas Champagner an.
Nun trudelten auch die letzten Gäste ein. Wir verteilten die Hochzeitstorte an die Gäste und setzten uns an die Tische. Yuko und ich saßen als Brautpaar natürlich in der Mitte der drei großen aufgestellten Zelte. Nach einiger Zeit war es dann soweit…
Mein Vater stand auf und versuchte die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Er wählte die gleiche Methode, die auch Totoro auf der Feier in Osaka versucht hatte, indem er mit einem Löffel auf ein Glas einschlug. Zum Glück für ihn war er etwas erfolgreicher als Totoro damals und brauchte nur einen Versuch, damit sich alle ihm zuwendeten.
Etwas nervös und mit fertig formulierten Sätzen (liegt wohl in der Familie), aber nach und nach immer souveräner, hielt mein Vater eine knapp zehnminütige Rede, der alle Teilnehmer der Feier wohlwollend zuhörten. Anschließend nahm er ein mysteriöses Schächtelchen in die Hand und öffnete dieses mit gleißendem Feuerregen, atemberaubendem Donner und Blitzen. OK, vergesst diesen Satz. Er ist leicht übertrieben. Aber er öffnete tatsächlich ein Schächtelchen und holte unsere Eheringe heraus, die wir bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht getragen hatten. Er überreichte zuerst mir den Ring von Yuko. Ich steckte ihn glücklicherweise ohne irgendwelchen Fehltritte auf ihren dünnen Ringfinger. Anschließend war sie an der Reihe, mir meinen Ehering auf meinen “Wurschtfinger” zu zwängen. Das klappte auch ohne Probleme. Welch’ ein Glück!
Nachdem wir die Ringe noch in die Kameras präsentiert haben, stießen wir erneut mit einem Glas Champagner an. Meine Oma meldete sich spontan zu Wort. Sie hielt eine kurze, aber dafür tiefgreifende Rede, bei der mir ein paar kleine Tränchen aus den Augen flossen.
Es war jetzt an der Zeit für eine deutsche (oder allgemein westliche?) Tradition. Ein großer Baumstamm einer starken deutschen Eiche lag bereit, um zersägt zu werden. OK… es war nur ein recht dünner, morscher Baumstamm, den es zu zersägen galt. Aber mit der verrosteten Säge, die uns zur Verfügung stand, war das trotzdem eine ziemlich knifflige Angelegenheit. Nach fast zehnminütigem Kampf hatten Yuko und ich den Baumstamm durchgesägt und damit unser Teamwork bewiesen. Stolz und mit erhobenen Hauptes präsentierten wir unseren Gästen den abgesägten Holzklotz.
Nun ging es Schlag auf Schlag: Man überreichte Yuko den Brautstrauß und alle noch unverheirateten Frauen stellten sich hinter ihr auf. Man konnte leicht erkennen, welche der jungen Damen bereit war, ihr Leben für den Erhalt des Brautstraußes aufs Spiel zu setzen. Die glückliche Siegerin in diesem Spektakel war Kaori-chan, die am Ende den Strauß leider vergaß und somit nicht zurück nach Göttingen mitnehmen konnte. Trotzdem muss sie jetzt als nächstes heiraten! Je schneller, desto besser!
Jetzt versammelten sich meine Kumpels um mich und Yuko. Was war los? Es gab Geschenke! T-Shirts, Mütze, Halsketten verziert mit “Berlin” bzw. der Deutschlandfahne und einem Trabi, gefüllt mit einer Menge Kohle, Knete, Moneten oder auf normalem Deutsch: Geld. Es hieß, dass ich das Geld nicht ohne Weiteres aus dem Trabant nehmen könnte. Aber da haben sich die selbsternannten Experten getäuscht! Mit meinen Wurstfingern konnte ich das Geld aus dem Spielzeugauto zerren, ohne es aufschrauben oder eine Tür herausreißen zu müssen. An dieser Stelle: Vielen Dank für die lustigen Geschenke!
Doch mit der bloßen Übergabe der Geschenke waren meine Berliner Kumpels noch lange nicht am Ende ihrer geplanten Aktionen. Nun sollte ein kleines Spielchen folgen. Ich hatte mich schon bei der Ankunft von Torsten, Maria, Hannes und Michael gewundert, warum Torsten eine Sporttasche mit zwei Tennisschlägern bei sich hatte.
Auf deutschen Hochzeitsfeiern muss man ja als Brautpaar auf alles gefasst sein. Dass sie Yuko entführen würden, schloss ich aufgrund der Tennisschläger aus. Trotzdem dachte ich schon daran, das Weite zu suchen. Daraus wurde aber nichts. Und so sah ich meine Freunde die letzten Vorbereitungen treffen. Sie stellten zwei Klappstühle Lehne an Lehne. Da war mir dann klar, was Yuko und mir bevorstand. Unangenehme Fragen sollten alles Private über unsere Beziehung gestellt werden.
Man überreicht uns die beiden präperierten Tennisschläger. Auf der einen Seite stand Yuko und auf der anderen Steffen geschrieben.
Sascha übernahm die Rolle des Moderators und hielt erstmal eine kleine Rede, in der er die durchaus leicht verständlichen Regeln erklärte. Welch eine spontane Idee von den Jungs! Zumindest behauptete Sascha das “mehr oder weniger”
Hier die Liste der Fragen:
1. Wer unternahm den ersten Schritt beim Kennenlernen? O
2. Wer von euch hat die Initiative zum 1. Kuss ergriffen? O
3. Wer kocht besser? O
4. Wer ist der Langschläfer? O
5. Wer von euch beiden ist pünktlicher? O
6. Wer von euch beiden will mehr Kinder? O
7. Wer vergibt zuerst nach einem Streit? O
8. Wer von euch beiden ist romantischer und gefühlsbetonter? X
9. Wer von euch ist fauler? O
10. Wer ist der Partylöwe? O
11. Wer ist eifersüchtiger? O
12. Wer kann besser verlieren? O
13. Wer ist verantwortlich für die technischen Reparaturen im Haus? O
14. Wer gibt dem anderen meist nach? O
15. Wer entscheidet sich schneller? O
16. Wer von euch braucht länger im Bad? X
17. Wer steht nach dem Essen zuerst auf und macht den Abwasch? O
18. Wer ist chaotischer? X
19. Wer ist sportlicher? O
20. Wer hat bei euch zuhause die Hosen an? X (aber…!)
Hinter den Fragen seht ihr, ob Yuko und ich jeweils die gleiche bzw. eine unterschiedliche Antwort gaben. Auf die genauen Antworten möchte ich lieber verzichten. Muss ja nicht jeder wissen
Eines sei aber gesagt… die ersten fünf Fragen beantworteten Yuko und ich immer mit der gleichen Person (tja… Yuko oder Steffen?). Nun wurden alle ein wenig skeptisch. Sollten etwa alle Fragen mit der gleichen Antwort erwidert werden? Man untersuchte die Tennisschläger und beriet sich am runden Tisch. Als keine Betrugsversuche seitens der beiden Befragten zu erkennen waren, setzte man das Spielchen fort. Und siehe da: Schon wurde der andere Name von beiden einträchtlich hochgehalten.
Bei der achten Frage spielte wohl meine Bescheidenheit einen Streich, und so kam es dann zu dem X
Bei Frage 16 weiß ich immer noch nicht, warum Yuko nicht meiner Antwort nicht zustimmte. Wer verbringt normalerweise länger im Bad, Frau oder Mann??? Die Antwort ist doch eigentlich ganz einfach! Yuko und ich bilden da keine Ausnahme ![]()
Sascha gab bei der unterschiedlich beantworteten Frage 18 den richtigen Kommentar ab, indem er sagte, dass es doch eigentlich gar nicht mal so schlecht ist, wenn beide sich selbst für chaotisch(er) halten.
Bei der letzten Frage erschienen in meinem Kopf erneut drei Fragezeichen. Ich konnte mir schon denken, dass Yuko die Frage nicht richtig verstanden hatte. Für alle Deutschlernenden: Frage 20 sollte man nicht wörtlich übersetzen. Wer von euch (außer Yuko, Masami, Maquis-chan und Kaori) weiß, was Sascha mit dieser Frage meinte?
Jedenfalls änderte Yuko nachträglich ihre Antwort, nachdem ihr die richtige Bedeutung dieser Frage erklärt wurde. Somit hatten wir also nur drei Fragen unterschiedlich beantwortet. Das ist doch eigentlich gar kein so schlechtes Ergebnis!
Sascha fällte dann das Urteil. Wir waren in der höchsten Kategorie.
Das Urteil: “Die goldene Hochzeit ist schon in Sicht!” (Na da muss ich wohl mehr Sport treiben und vor allem nicht so viele Süßigkeiten essen, um überhaupt so alt zu werden)
Jetzt wurde es Zeit für Raliza’s (die beste Freundin meiner Schwester) Geschenk. Mit einem Feuerzeug zündeten Yuko und ich einen Papierballon an, auf dem eine nette Botschaft geschrieben stand. Es dauerte eine ganze Weile, ehe der Ballon genug heiße Luft beinhaltete. Einmal wäre er beinahe zusammengefallen. Dann hätten wir wohl ein kleines Lagerfeuer gehabt. Wir konnten dies aber zum Glück noch verhindern. Und somit stieg der Ballon plötzlich in die Höhe und wurde immer schneller. Er raste knapp am Walnussbaum vorbei und war nach nur wenigen Minuten nicht mehr zu sehen. Es war aber äußerst faszinierend, dem Feuerball zu beobachten! Ein ungewöhnliches, aber sehr schönes Geschenk!
Übrigens brannte einen Tag später die Berliner Philharmonie. Ob da unser Ballon daran Schuld war??? Zum Glück fand man einen anderen Auslöser für diesen Brand. Wir brauchten also nicht ins Gefängnis zu wandern.
Es wurde langsam dunkel und es wurde Zeit fürs Barbeque. Boris, Achim und Stefan hatten das Fleisch schon auf die Grills gelegt. Leider habe ich nur ein Stück Fleisch und eine Wurst gegessen. Dabei waren die so lecker…
Nach vielen fröhlichen Gesprächen, übermäßigem Alkoholkonsum und Tortenschlemmen fuhren wir dann gegen Mitternacht nach Hause. Mir ging es während der Autofahrt immer schlechter. Anscheinend wirkte die Kombination aus Alkohol und Benzingeruch nicht positiv auf mich. Am nächsten Morgen war ich aber dann wieder topfit. Das musste ich auch sein, denn körperlicher Einsatz war gefragt…
Natürlich sind wir an diesem Tag auch nicht zu spät aufgestanden, denn wir mussten eine Menge erledigen. Ich konnte Yuko überreden, beim Aufräumen des Gartens mitzuhelfen. Eigentlich dachten wir, dass diese Angelegenheit innerhalb von zwei oder drei Stunden erledigt sein würde. Also frühstückten wir erstmal gemütlich und fuhren dann mit Muttern wieder in Richtung Osten nach Neuenhagen.
Dort angekommen, ackerte Uwe schon im Garten. Wir legten auch sofort los. Während Yuko und Mutz die Dekorationen abräumten, kümmerte ich mich um die Vernichtung der Luftballons. Peng! Puff! Knall! – Das machte Spaß!
Die drei Zelte mussten erstmal geputzt werden. Ein Eimer Wasser, zwei alte Lappen und ein Besen sollten als Werkzeuge dienen. Dank ausgeklügeltem Teamwork ging das recht gut voran. Nun kam der schwerere Part: die Zelte abbauen. Uwe, der Profi fürs Zelte auf- und abbauen, gab uns die Anweisungen, die wir befolgten, ohne mit der Wimper zu zucken. Das war eine ziemlich langwierige Arbeit. Die unzähligen Stangen und die riesigen Planen mussten alle in kleine Beutel und Taschen gestopft werden.
Irgendwann hatten wir aber auch das geschafft und es mussten nur noch ein paar Bänke, Stühle und Tische verschoben werden. Unsere Arbeit war getan. Ich weiß nicht genau, wie lange es gedauert hat, aber zwei, drei Stunden waren es schon. Da es noch viele Essensreste und auch noch viele Getränke vom Vortag gab, setzten wir uns im Garten an den Tisch und aßen Kuchen, Würste und Grillfleisch. Dazu gab es Tee, Kaffee und Sekt. Ist doch mal eine gute Kombination.
Die Zeit verging… Yuko und ich wurden schon etwas ungeduldiger. Eigentlich waren wir mit Kaori-chan verabredet, die bisher alleine durch Berlin tigerte. Es dauerte noch eine Weile, bis man sich entschied, das Fressgelage zu beenden. Doch nun kam man auf die Idee das geliehene Zelt zu den Besitzern zurückzubringen. Diese wohnen aber nicht gleich nebenan, sondern in einer anderen kleinen Stadt, im Osten von Berlin.
Nachdem wir alles ins Auto geladen hatten, fuhren wir endlich los. Unterwegs gab es dann leider noch einen kleinen Zwischenfall. Ein Tisch, den wir von zu Hause mitgenommen hatten und auf dem Anhänger lag, brach auseinander. Wir stopften die Einzelteile in den Kofferraum und setzten unsere Reise fort. Irgendwann kamen wir dann an. Wir versuchten, die ganze Angelegenheit schnell über die Bühne zu bringen, aber wie das so ist, möchten die Besuchten auch ihre Gastfreundschaft anbieten. Und so stießen wir mit Sekt auf das Brautpaar, also auf uns, an. Aus geplanten fünf Minuten wurden fast eine Stunde.
Es war schon früher Abend, als wir Richtung Berlin fuhren. Kaori-chan musste also sich fast die ganze Zeit alleine vergügen. Mutz setzte uns am Hackeschen Markt aus. Den Rest fuhren wir mit der S-Bahn. Es war gar nicht so einfach, Kaori-chan am Hauptbahnhof zu finden, aber schließlich konnten wir auch diese Mission erfüllen. Kaori-chan entschied sich, einen Zug später zu nehmen, damit wir noch wenigstens ein bisschen mehr Zeit zum Quatschen hatten. Wir gingen in ein Bahnhofscafé, bestellten ein paar Getränke und quasselten über die Hochzeitsfeier. Eine Gruppe von Sachsen saß neben uns und schaute ganz neugierig auf unsere Torte. Schließlich begriffen Sie und gratulierten uns. Eine nette Geste, nicht wahr? ![]()
Leider war es dann an der Zeit, sich von Kaori-chan zu verabschieden. Wir begleiteten Sie zum Zug und warteten, bis dieser abfuhr. Yuko und ich gingen dann wieder zurück zur Friedrichstraße. Von dort liefen wir zum Tischtennis. Ich machte ein Spiel gegen meinen Kumpel Sascha. Trotz über einem Jahr ohne Tischtennis konnte ich mich knapp gegen ihn durchsetzen, was für mich eine kleine Genugtuung war ![]()
Nach ein paar Stunden Training (auch Yuko spielte Tischtennis), gingen wir mit Micha, Sascha und Hannes zu meiner Lieblingskneipe. Wir fragten den Chef, ob wir unsere mitgebrachte Hochzeitstorte essen dürfen. Da er uns schon seit langer Zeit kennt, war das kein Problem. Er war sogar so nett und brachte uns Teller, Gabeln und ein großes Messer. Wir bestellten dazu ein paar Bier und widmeten uns einer weiteren Lieblingsbeschäftigung von mir: Doppelkopf! Wir spielten ein paar Runden und ich erklärte Yuko die Regeln. Ich hätte nicht gedacht, dass sie es sogar interessant finden könnte. Sie kombinierte fleißig und wurde allmählich besser und besser.
Es war schon weit nach Mitternacht, als wir den Heimweg antraten. Dabei mussten wir am nächsten Tag schon sehr früh aufstehen. Die Flitterwochen bzw. “Flittertage” standen schließlich bevor. Für mich war das mit ein wenig Arbeit verbunden…
Berlin – Halle – Dresden – Prag
Oben genannte Städte standen heute auf dem Plan. Um diesen Plan zu erfüllen, muss man schon recht früh aufstehen. Genau das mussten wir, obwohl wir erst nach 2 Uhr morgens ins Bett gekommen sind.
Gegen halb sieben klingelte der Wecker. Wir duschten uns schnell, packten die letzten Sachen in den Koffer und Mutz fuhr uns dann zum U-Bahnhof. Von dort aus ging es dann für Yuko und mich zur Wohnung meines Vaters. Dieser war aber bei unserer Ankunft gerade abwesend, so dass wir erstmal Andrea und ihren Sohn Sascha begrüßten. Irgendwann kam auch der Hausherr wieder heim. Wir aßen Frühstück und führen anschließend zum Autoverleih Sixt, der knapp einen Kilometer entfernt lag. Dort nahmen wir von einer etwas wortkargen jungen Dame die Schlüssel an uns.
Wir erwischten mit einem nagelneuen Ford Fiesta ein recht gutes Autochen. Es hatte 75 PS, ne Menge elektronischen Schnickschnack und war ganz in Schwarz.
Nun fuhren wir nochmal kurz zu Papas Wohnung, um dort seinen Wagen abzustellen. Da ich noch sehr müde war und sowieso noch von Dresden nach Prag fahren musste, bat ich den “Alten” das Steuer zu übernehmen. Und so fuhren wir nach Halle.
Papa setzte uns am Hauptbahnhof ab. Er wiederum musste schnell zum Arzt. Wir spazierten auf dem Hauptbahnhof herum und kauften für fast 30 Euro Hallorenkugeln ein. Für alle, die Hallorenkugeln nicht kennen: Es handelt sich dabei um Yukos Lieblingsschokolade, die mit einer Sahne-Schoko-Creme gefüllt ist. Hallorenkugeln werden in Deutschlands ältester Schokoladenfabrik produziert und leider in Japan nicht zu haben…
Irgendwann kam dann Papa wieder zurück. Wir fuhren zu seiner Arbeit, dem Mitteldeutschen Rundfunk. Er zeigte uns die verschiedenen Abteilungen. Wir durften sogar live einer Nachrichtensendung im Studio beiwohnen. Natürlich durften wir nichts sagen ![]()
Nach dieser interessanten Besichtigung ging es weiter nach Dresden. Dort besuchten wir zuerst den Zwinger. Da uns der Magen knurrte, gingen wir zu einem nahegelegenen Restaurant und aßen original Dresdner Kartoffelsuppe. Yuko schwärmt jetzt noch davon.
Danach spendierte Papa uns eine Fahrt mit einem Stadtbesichtigungsbus, der sogar alles auf Japanisch erklärte, so dass Yuko sich mal ein wenig vom ewigen Deutsch sprechen ausruhen konnte. Teilweise war die japanische Übersetzung schneller als der deutsche Sprecher, so dass Yuko schon am Staunen war, während wir nur ein leises Rauschen aus den Lautsprechern vernehmen konnten.
Beim “schönsten Milchladen der Welt” machten wir halt. Der Laden hatte nur noch knapp 10 Minuten geöffnet. Wir schauten uns kurz um und Yuko musste erfahren, dass man dort nicht fotografieren durfte. Dafür bekam sie von Papa eine Postkarte mit der Innenansicht des Geschäfts geschenkt. Außerdem aßen wir alle je zwei kleine Stück Edamer, der wirklich sehr lecker war.
Wir setzten mit dem letzten Bus die Stadtbesichtigung fort. Als diese zu Ende war, war es auch Zeit, sich zu verabschieden. Während Papa mit dem Zug nach Hause fuhr, setzte ich mich hinters Steuer und wir fuhren los nach Prag.
Bis nach Tschechien war es nicht schwer, und die Zeit verann wie im Fluge. Die leeren Grenzposten passierten wir ein wenig langsamer. Die erste Tankstelle ließ ziemlich lange auf sich warten. Ich musste noch eine Plakette kaufen, um nicht Strafe zu zahlen. Ich hatte ein bisschen Sorgen, ob mich die Polizei nicht schon vorher herausfischt. Aber nach knapp 50 Minuten entdeckten wir den ersten Tankstopp und fuhren von der Autobahn. Dort kauften wir ein paar Kleinigkeiten, tankten den Wagen voll und kauften irgendwie die Plakette. Die Frau faselte irgendwas. Danach waren wir ein paar Geldscheine los, aber dafür um eben diesen Aufkleber reicher. Ich füllte die benötigten Felder aus und Yuko klebte das Teil an die Windschutzscheibe.
Nun kam der schwierigste Teil der Strecke. Wir mussten von der Autobahn runter und weiter auf der Landstraße fahren. Wir folgten einfach den anderen Autos, bis es immer weniger wurden. Natürlich verpassten wir unsere Abfahrt. Diese komischen, schwer lesbaren Namen soll mal jemand im Dunkeln erkennen können. Es war schon nach 22 Uhr, als wir verspätet in Prag eintrafen. Prag selbst war dann auch noch mal sehr anstrengend. Wir verfuhren uns noch öfters, ehe wir die enge Einbahnstraße ins Nichts fanden. Genau dort war unser Hotel.
Es war eine Herausforderung, einen Parkplatz zu finden. Zuerst einmal stellten wir uns irgendwo hin und gingen zum Hotel. Nachdem wir die Eingangstür geöffnet hatten, kamen wir in den Innenhof des ziemlich alten Hauses. In der Küche waren drei Männer. Einer von ihnen kam zu uns und zeigte uns unser Zimmer.
Das Zimmer war recht geräumig und hatte ein riesiges Bett. Doch obwohl ich sehr sehr müde war, konnte ich mich leider noch nicht zur nächtlichen Ruh’ begeben. Yuko wollte unbedingt noch in die Stadt. Mein anfänglicher Widerstand war schnell gebrochen. Und so zogen wir los, um eine Bar zu finden. Es dauert nicht sehr lange, bis wir die erste Bar fanden. Dort tranken wir beide ein Pilsner Urquell und rekapitulierten unseren Tag.
ENDLICH durfte ich ins Bett gehen und SCHLAFEN! zzZ
Schon früh riss uns der lärmende Wecker aus unseren Träumen, denn auch heute stand ein langes Programm auf dem Plan. Nachdem wir geduscht hatten, gingen wir runter zum Frühstücksbüfett. Alles war sehr einfach, aber ausreichend gut. Da wir schon all unser Gepäck mitgenommen hatten, konnten wir gleich nach dem Frühstück zum Auto gehen. Das stand ca. einen Kilometer weit weg auf dem Parkplatz eines großen Hotels. Auf dem Weg dort hin, machten wir einen kurzen Stopp bei einem Kloster. Dort trafen wir auch schon auf die ersten Japaner, die – typisch Japaner – schnellen Schrittes und mit Stadtplan bewaffnet durch die Straßen marschierten. Dank meiner Anwesenheit war das bei Yuko etwas ruhiger. Dennoch wurde ich später noch quer durch die Stadt gescheucht.
Endlich beim Auto angekommen, suchten wir die Rezeption, die gar nicht so leicht zu finden war. Schnell bezahlten wir die Rechnung und fuhren mit dem Auto zum nächsten Besichtigungspunkt. Wir kamen an einer Soldatenkirche vorbei. Da man dort aber nicht hinein durfte, folgten wir den Verlauf der nächstbesten Einbahnstraße. Am Ende dieser Straße gab es einen großen Platz mit vielen Touristen. Wir schlugen uns durch die Massen, vorbei an Musikern und erreichten schließlich einen schönen Aussichtpunkt. Neben uns war eine Gruppe junger Russen, weiter hinter waren unzählige französische Schüler, die alle vor dem Eingang eines großen Gebäudes standen. Vor dem Gebäude waren auch zwei Soldaten, die mit teilweise stolzer, teilweise stressiger Mine ihrer Arbeit nachgingen.
Wir spazierten nun durch das Tor in den ersten Hof, weiter in den nächsten, bis man irgendwann nur noch gegen Bezahlung weiter konnte. So viel Interesse hatten wir nun auch wieder nicht, so dass wir prompt das Weite suchten. Als wir wieder fast beim Ausgang waren, bemerkten wir, dass dort einige Soldaten eine Absperrung aufbauten. Neugierig wie wir sind, wollten wir wissen, wozu diese uniformierten Männer alles verbarrikadierten. Ungefähr zwanzig Minuten dauerte es, bis wir des Rätsels Lösung herausfanden. Mit großem Täterä kamen knapp zwanzig bewaffnete Soldaten aus einem der Gebäude und versammelten sich auf dem Platz. Einer von ihnen schrie wie ein Wilder vor sich hin. Plötzlich bemerkten wir, dass von draußen noch mehr Soldaten sich den Weg durch die Zuschauermassen bahnten und sich mit übertrieben großen Aufwand zu den anderen gesellten. Die zwei Schreihälse der beiden Gruppen schrien sich nun gegenseitig an und fuchtelten mit ihren Degen wie wild umher.
Danach stolzierte die eine Gruppe über Umwege in die Ferne und die andere Gruppe ging ins Haus, begleitet von herrlicher Marschmusik von den an den Fenstern stehenden Soldaten im zweiten Stock.
Na, was haben die netten Herrschaften dort getrieben? Richtig! Das war eine stinknormale Wachablösung, die durch das theatralische Gehabe ein wenig aufgepeppt wurde.
Übrigens sehen tschechische Soldaten irgendwie freundlicher und harmloser aus als ihre deutschen Pendants.
Wir verfolgten nun die Soldaten mit den Musikinstrumenten, die zufälligerweise in die Richtung unseres Autos gingen. Der kleine Ford Fiesta stand nämlich in der Nähe der Soldatenkirche. Je näher die Männer in Uniform ihrer Kaserne kamen, desto lockerer wurde ihr Schritt. Am Ende bummelten sie langsam durchs Tor der Kirche und verschwanden auf nimmer Wiedersehen.
Wir verließen auch diesen fast menschenleeren Ort. Yuko wollte nun in die Altstadt. Da es zu Fuß zu viel Zeit gekostet hätte, scheuchte sie mich mit dem Auto nun quer durch die Stadt. Natürlich fanden wir nicht sofort den richtigen Weg und verfuhren uns mehrmals. Völlig gestresst (ich) erreichten wir endlich das Zentrum. Die engen und überfüllten Straßen Prags bieten aber kaum eine Möglichkeit zu parken. Und so wurde es immer schlimmer… für mich. Yuko war begeistert von den schönen alten Gebäuden und den vielen Menschen. Ich hörte immer nur “sugoi! sugoi” (“toll! wow! super!”), während ich krampfhaft nach einer kleinen Fläche zum Parken Ausschau hielt. Nach knapp einer halben Stunde fanden wir endlich einen geeigneten Parkplatz.
Wer jetzt denkt, dass ich meinen Stress nun abbauen konnte, liegt falsch, denn jetzt rannten wir durch die überfüllten Straßen und Fußgängerzonen. Viele Läden mit unbrauchbaren Souvenirs und anderem Schnickschnack säumten den Weg. Da es nun schon Mittagszeit war, entschieden wir uns, in eines der vielen Restaurants zu gehen. Dort bestellte ich mir das billigste Set (Rissotto mit Bier und Apfelstrudel für ca. 189 Kronen). Yuko dagegen bestellte sich ein richtig deftiges Essen mit verschiedenen Fleischsorten, Sauerkraut, Rotkohl, geschnittenen Klößen usw. für knapp 500 Kronen. Von meinem Bier hatte ich nicht viel, da ich ja noch bis nach München fahren musste. Also gab ich es Yuko. Sie dagegen gab mir von ihrem leckeren, traditionell tschechischem Essen, was aber sehr deutsch aussah.
Nach dem Restaurantbesuch wollten wir noch schnell die Karlsbrücke sehen. Die Brücke fanden wir dann auch relativ schnell, aber es blieb nicht viel Zeit, um dort lange zu verweilen. Wir gingen nur bis zur Hälfte und machten kehrt. Der Weg zurück zum Auto war dann schon etwas schwieriger. Wir konnten den Weg nicht finden, da irgendwie alle Häuser sich ähnelten. Als wir schon dem Verzweifeln nahe waren, fanden wir dann endlich den Ausgang des Labyrinths.
Aber nun gab es ein anderes Problem. Neben unserem Auto stand ein Abschlepper. Das Auto hinter uns hatte einen platten Reifen. Es dauerte knapp eine Viertelstunde, ehe das Abschleppauto endlich weg war.
Jetzt schnell auf die Schnellstraße und endlich raus aus Prag, dachte ich. Die Autobahn in Richtung München ist größtenteils dreispurig und fuhr sich recht angenehm. Yuko mache zwischendurch ein kleines Nickerchen. Ich wollte noch einmal kurz vor der Grenze tanken, da das Benzin in Tschechien knapp 30 Cent pro Liter billiger war als in Deutschland. Aber bis zur letzten Tankstelle vor der Grenze war noch ein wenig Zeit.
Plötzlich überholte uns ein silberner VW Passat und setze sich vor uns auf die Mittelspur. Er wurde immer langsamer, so dass ich ihn nun überholen wollte. Doch Der dassat fuhr mit uns auf die Überholspur und auch wieder zurück auf die Mittelspur. Dabei wurde er weiterhin langsamer. Eine Frau in einem anderen Auto überholte uns beide auf der linken Spur, was ich auch schon sehr seltsam fand. Wenn es die Polizei wäre, würden sie doch bestimmt so ein Vergehen ahnden, oder?
Aber warum ließen uns die beiden Leute im Passat nicht überholen? Ich dachte schon an Kriminelle oder einfach irgendwelche Idioten, die uns wegen unseres deutschen Nummernschildes ärgern wollten. Und wenn es doch die Polizei wäre, würde irgendwann mal ein “Halt! Polizei!” oder irgendetwas zu sehen sein, doch nichts dergleichen.
Nach gut fünf Minuten konnte ich endlich auf gleiche Höhe mit dem VW fahren. Da sah ich dann neben dem Lenkrad des Fahrers ein kleines blaues Licht. Es war also doch die Polizei! Ich ließ mich schnell wieder hinter den Passat fallen und folgte den beiden Männern, die bei der nächsten Tankstelle die Autobahn verließen. Dort hielten wir an. Ich kurbelte die Fensterscheibe nach unten, während der Fahrer, ein junger Mann mit Lederjacke und Jeans, zu uns kam. Er laberte etwas auf Tschechisch und fasste neben mein Lenkrad. Es war der Schalter fürs Licht, den er von “Automatik” auf “Licht an” schaltete. Das war’s schon. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, watschelte er zurück zu seinem Kollegen. Erleichtert fuhr ich dann weiter zur Tankstelle, wo ich das Auto volltankte und wir anschließend unser letztes tschechisches Geld in Süßigkeiten, Energydrinks und anderem Krimskrams ausgaben.
Übrigens war es draußen noch hell, aber eben relativ schlechtes Wetter bei knapp unter 10 Grad Celsius. Ich dachte, dass die Automatik im Auto ihren Dienst ordentlich verrichtete. Tat sie aber nicht.
Egal… erleichtert fuhren wir wieder auf die Autobahn und passierten kurz darauf die Grenze. Ich war sehr froh, dass uns die Polizei rausgefischt hatte, denn so erwischten wir die letzte Tankstelle vor der Grenze. Also vielen Dank an die tschechische Polizei für die freundliche Hilfe!
Endlich wieder zurück in Deutschland fuhr es sich auch wieder besser. Das Wetter wurde auch immer schöner und München war nur noch einen Katzensprung weit entfernt. Perfekte Welt!
Unser Hotel war in der Nähe des Hauptbahnhofes. Obwohl es also im Stadtzentrum lag, war der Weg dort hin sehr einfach und leicht zu finden, ganz im Gegensatz zu Prag…
Ich sagte nun dem Mann an der Rezeption unseren Namen. Der erwiderte, dass unsere Reservierung nicht mehr gültig wäre, da wir uns nicht nicht mehr gemeldet hatten. Dennoch war er so nett, uns für den gleichen Preis ein Zimmer anzubieten. Wir gingen hoch in unser Zimmer und ruhten uns kurz aus. Auf dem Nachtschränkchen fanden wir ein paar Unterlagen. Dort sah ich einen Zettel, der uns die Möglichkeit anbot, in einem bestimmten Restaurant für knapp die Hälfte des eigentlichen Preises zu essen. Diese Chance ließen wir uns nicht entgehen. Es war ein italienisches Restaurant, aber von Italienern war dort weit und breit keine Spur. Dafür servierten uns alte bayerische Opis und ein vietnamesischer Schönling das Essen. Naja, zumindest dachte er es von sich selbst.
Nachdem wir uns den Magen vollgeschlagen hatten, schlenderten wir zum Rathaus und anschließend zum weltberühmten Hofbräuhaus. Einige Türsteher mit Sonnenbrille (es war schon dunkel draußen) öffneten uns die Türen. Die riesige Halle war mit tausenden saufenden Menschen gefüllt. In der hinteren Hälfte fanden wir dann einen Tisch für uns zwei. Yuko bestellte sich ein Einliterglas Pilsner und ich ein Hefeweizen gleicher Größe. Gleich in der Nähe von uns saß eine Gruppe japanischer Touristen, die mit Fotoapparaten ein Blitzlichtgewitter veranstalteten und gespannt den Musikern zuhörten. Sie bestellten sich nur ein paar kleine Biere, tranken weniger als die Hälfte, machten anschließend weitere Fotos mit den Musikern und verschwanden wieder. Kurz darauf erschienen die nächsten Japaner und agierten in etwa gleich.
An einem weiteren Tisch in unserer Nähe, saßen drei junge bayerische Männer, die an ihren Biergläsern nuckelten und die Frauen am Nachbartisch angafften. Irgendwann gesellten sie sich dann zu den Frauen. Ein vierter Mann, der später zu den drei Männern hinzustieß, kannte wohl alle und diente sozusagen als Verkuppler. Einer dieser Männer schien besonders motiviert zu sein und versuchte aggressiv und tolpatschig seine neben ihm sitzende holde Maid zu unterhalten. Irgendwann ließ er von ihr ab, denn er hatte ein neues Ziel im Auge… uns! Er drehte sich mehrmals für lange Zeit zu uns um und gaffte uns an. Manchmal für fast eine Minute. Er wandte uns wieder den Rücken zu und sprach mit seinen Kumpels. Dann schauten alle zu uns. Das ging eine ganze Weile so. Yuko und ich taten so, als ob wir das nicht bemerkten. Wir fragten uns gegenseitig auf Japanisch, was der Knilch denn so interessant fand. Mit seiner naiven und aggressiven Art war er uns schon die ganze Zeit unangenehm aufgefallen. Die anderen Männer waren eher schüchtern, aber auch auf der Suche – nach einer Frau. Sie glotzten heimlich die Frauen an ihrem Tisch an, aber blieben ruhig.
Schließlich hatten wir dann genug. Während ich mein Glas Bier schon geleert hatte, war Yuko knapp bei der Hälfte. Ich half ihr noch ein wenig, aber nochmal einen halben Liter zu trinken, war mir dann doch zu viel.
Am Ausgang standen immer noch die furchterregenden, aber höflichen “Men in Black” und öffneten uns die Türen. Draußen begegneten wir ein paar besoffenen Jugendlichen. Wir kehrten nun langsam zum Hotel zurück, stöberten noch kurz im Internet und gingen ins Bett. Das ich wieder sehr müde war, brauch ich ja nicht zu erwähnen. Oh! Nun habe ich es doch…
Wie an jeder anderen vergangenen Nacht blieb uns auch diesmal nicht wirklich viel Zeit, um zu schlafen. Früh standen wir auf und frühstückten neben einer Gruppe alter französischer Omas und Opas. Danach packten wir unsere Sachen ins Auto, das – im Gegensatz zu Prag – direkt vor dem Hotel stand. Danach ging es wieder zum Rathaus, denn um 11 Uhr begann das Puppenspiel der Rathausuhr. Viele Menschen standen schon dort und warteten ungedulgig auf dieses Spektakel. Für mich war’s dann doch eher ein eher fades Ereignis. Lärmende Musik zu drehenden Holzfiguren – toll!
Danach schlenderten wir weiter zum englischen Garten. Ich habe nicht gewusst, dass der wirklich so groß ist. In einem Pavillon spielten drei Musiker klassische Musik, aber wir wanderten langsam weiter, um noch mehr von der Stadt zu sehen. Irgendwann taten uns unsere Beine weh, so dass wir es uns auf einer Bank bequem machten. Nach knapp zehn Minuten gingen wir langsam wieder zurück und suchten ein Café auf. Yuko machte erneut ein kurzes Nickerchen, während ich eine kleine internationale Familie beobachtete. Ein wahrscheinlich deutscher Mann und seine asiatische Frau (aber keine Japanerin oder Chinesin) mit Tochter tranken Kaffee. Die Tochter interessierte sich anfangs für uns. Aber sobald ihr Getränk da war, war das das Objekt ihrer Begierde.
Yuko war dagegen für einen alten Mann wohl sehr interessant. Er starrte sie an, wobei er auch mich irgendwann bemerkte
Wir verließen das Restaurant, um uns mit unserer Verabredung zu treffen. Per Email habe ich mich mit einer ehemaligen Schülerin aus Osaka verabredet. Ich habe ihr und ihren beiden kleinen Kindern mehrere Monate lang Deutsch beigebracht. Mutz kann sich sicherlich noch sehr gut an die beiden Strolche Ryouta (6 Jahre) und Haruna (9 Jahre) erinnern.
Es war auch das erste Mal, dass ich das Oberhaupt der Familie kennen lernte. Während die Mutter mit den beiden Kindern noch in Japan wohnte, arbeitete der Vater schon seit längerer Zeit in München bei Panasonic.
Am Anfang hatten Ryouta und Haruna noch ein wenig Angst und versteckten sich hinter ihren Eltern. Ryouta sagte: “Nanka kao ga kawatta” (Dein Gesicht hat sich verändert). Ich fragte ihn, warum es sich angeblich verändert hatte. Er erwiderte: “Hana ga nagaku natta” (Deine Nase ist länger geworden). Na wenn das mal nicht ein schönes Kompliment ist…
Nach kurzer Begrüßung gingen wir zu einem Restaurant, das Yuko kurz zuvor entdeckt hatte. Dort gab es ihre geliebten Käsespätzle, wonach wir die ganze Zeit nebenher gesucht hatten. Die junge Familie hatte nichts dagegen. Yuko und ich bestellten Käsespätzle und für die kleinen gab es Pommes. Die Eltern aßen nichts, da sie schon zu Mittag gegessen hatten.
Wir redeten viel und die beiden Kinder wurden auch immer offener. Besonders Ryouta war wieder sehr aktiv und machte nur Unsinn, spielte Nintendo DS und lärmte herum.
Hinter mir saß eine Gruppe älterer Münchner. Einer von ihnen stand auf, nachdem er einen kräftigen Schluck Bier genommen hatte, und fragte mich, ob ich Chinesisch spreche. Natürlich sagte ich ihm, dass es nicht Chinesisch sei, sondern Japanisch. Er fand es jedenfalls toll, wie wir alle uns auf Japanisch unterhielten. Er lobte uns in höchsten Tönen und verschwand wieder auf seinen Platz.
Ryouta und Haruna begannen nun mich zu kitzeln, auf meinem Schoß Hoppa Hoppa Reiter zu spielen. Das war wirklich sehr schön, aber auch ganz schön anstrengend. Ein alter Haudegen wie ich ist solche Energie gar nicht mehr gewohnt
Der nette Münchner vom Nachbartisch kam dann nochmal zu mir und lobte erneut unser internationales Zusammensein. Er schien an uns einen Narren gefressen zu haben
Langsam wurde es Zeit, aufzubrechen. Wir gingen aus dem Restaurant und redeten draußen noch ein wenig weiter. Die beiden Kinder hingen nun an meinen Armen. Ich fühlte mich wie ein Esel, der eine schwere Last zu tragen hatte. Gemeinsam gingen wir dann alle noch in Richtung Hauptbahnhof. Hand in Hand spazierten die beiden Kids und ich, während Yuko sich mit deren Mutter unterhielt.
Leider war es nun soweit, sich zu trennen. Mit viel Gewinke verabschiedeten wir uns. Yuko und ich gingen zum Auto und traten direkt die Heimreise an.
München war schnell passé. Die Autobahn war nicht sehr voll, so dass wir zügig vorankamen. Ich konnte auch mal das Auto ein wenig testen. Höchstgeschwindigkeit lag bei etwa 187 km/h, wobei ich nicht voll durchgetreten habe.
Wir waren schnell in Sachsen-Anhalt. Dort gab es leider vermehrt Baustellen, die unsere Heimkehr verzögerten. Viele Autos rasten an uns vorbei. Am Ende einer Baustelle überholten mich zwei Autos mit doppelter (oder mehr) Geschwindigkeit. Da ich kein Blitzlicht sah, beschleunigte ich auch wieder. Tja, dann sah bemerkte ich plötzlich ein helles rotes Licht. Ich dachte nur: Scheiße!
Yuko hatte nichts bemerkt, aber ich war erstmal für ein paar Minuten schlecht gelaunt. Irgendwann vergisst man das aber auch, denn schließlich kamen wir Berlin näher und näher. Ich glaube, es war so gegen 22 Uhr, als wir in Berlin ankamen. Leider hatte ich die falsche Ausfahrt genommen und wir waren deshalb auf der falschen Autobahn. Es dauert eine ganze Weile, bis wir wieder auf der richtigen Straße waren. Aber auch in Reinickendorf kamen wir vom Weg ab. Per Handy dirigierte uns Mutz nach Hause.
Wir aßen noch etwas und tranken verschiedene selbstgemachte Liköre, bevor wir uns zur nächtlichen Ruh begaben.
Der letzte komplette Tag in Deutschland… Vor unserer Reise hatte Yuko übertrieben ehrgeizige Pläne. Sie wollte möglichst alles auf einmal sehen. Zum Glück konnte ich mit meiner gegensätzlichen Urlaubsphilosophie ein wenig anstecken, so dass wir nicht dreimal quer durch Deutschland gefahren sind, sondern nur einmal.
An diesem Tag stand also zum Glück nicht sooo viel auf dem Plan. Morgens frühstückten wir gemächlich und machten uns dann auf den Weg ins Stadtzentrum. Dort bummelten wir herum und gingen dann zum DDR-Museum. Mit einem Eintrittspreis von 5 Euro war es doch recht teuer für so ein kleines Museum. Aber es war eine sehr gute Gelegenheit, etwas Originales aus meiner Kindheit und der Jugend meiner Eltern zu zeigen. Trotz der vielen negativen Dinge, die der DDR zugeschrieben werden, hatte dieses Land auch seine guten Seiten. Für Yuko: Hallorenkugeln
Im Museum waren viele Menschen. Darunter auch eine große Schulklasse aus den westlichen Bundesländern, die alle der Museumsführerin sehr interessiert lauschten. Wir mussten einige Minuten warten, bevor wir die Möglichkeit hatten, den Trabant auch von innen zu bewundern. Anschließend schauten wir uns noch einen Film über ostdeutsche Wohnungen an und hörten Musik von den Puhdys, Karat und Udo Lindenberg. Für mich war es eine schöne Erinnerung an meine Kindheit. Für Yuko war es der Besuch in eine ganz andere, neue alte Welt.
Wieder draußen spazierten wir langsam in Richtung S-Bahnhof Alexanderplatz. Dort aßen wir eine Currywurst, die leider nicht meinen Vorstellungen einer original Berliner Currywurst entsprach, obwohl der Laden dies anpries. Trotzdem schmeckte die Wurst ganz passabel. Danach zeigte ich Yuko noch schnell die Weltzeituhr.
Vor lauter Ostalgie schlug ich vor, mal in den tiefen Osten Berlins, ins Reich meiner Kindheit zu fahren. Wir stiegen also in die Straßenbahn und fuhren nach Marzahn. Unser erstes Ziel war die Jan-Petersen-Straße. Dort wohnte ich ungefähr vier Jahre alleine. Meine Wohnung war immer noch unbewohnt, obwohl ich schon seit 2004 nicht mehr dort wohne. Überhaupt war alles sehr merkwürdig. In dem ganzen großen Gebäude waren anscheinend nicht mehr als zehn Wohnungen noch bewohnt. Nur der komische Mann, der vor meinem Balkon sein kleines Gartenreich aufgebaut hatte, wohnte noch dort.
Während ich Yuko von unten meinen Balkon zeigte, kam eine Katze auf uns zu und rieb sich an unseren Beinen. Sie war wirklich sehr zutraulich und folgte uns sogar für eine Weile.
Wir gingen an meinem Hauseingang vorbei, vorbei am Jugendklub, vor dem sich früher immer kurzgeschorene Vierzehnjährige herumtrieben und schließlich in Richtung Alt-Marzahn.
Ich zeigte Yuko die Mühle, meine alte Grundschule, von der nur noch die Turnhalle übrig war und meinen nicht vorhandenen Kindergarten. Meine ganze Kindheit wurde ausgelöscht. Jetzt gibt es dort nur noch eine grüne Fläche mit einigen Bäumen und einem Mann, der gemütlich ein Buch las.
Schließlich kamen wir zur Kienbergstraße 3. Dort habe ich mit meiner Schwester und meinen Eltern von 1981 an für knapp 15 Jahre drin gewohnt, im dreizehnten Stock. In unserer ehemaligen Wohnung scheint jemand zu wohnen, denn ein Fenster war geöffnet.
Weiter ging es nun zur letzten Wohnung, die auch nur weniger als einen Kilometer entfernt lag. Dort wohnte ich mit meiner Mutter in einem neu gebauten Haus. Das war eigentlich die schönste der drei Wohnungen. Auf dem Weg zu dieser Wohnung kamen wir noch an einem Garten vorbei, in dem ein Rotweiler sein Unwesen trieb. Zuerst starrte er uns neugierig an. Aber dann rannte er zur Gartentür bellte und versuchte, über die Tür zu springen. Zu unserem Glück schaffte er es nicht. Ansonsten hätte zumindest einer von uns beiden ein großes gesundheitliches Problem.
Nachdem wir uns nun alles in Marzahn angeschaut hatten, fuhren wir wieder zurück in Richtung Wedding, denn dort waren wir mit Mutz verabredet. Da wir aber schon etwas früher angekommen waren, gingen wir zu einem türkischen Restaurant. Dort tranken wir leckeres Bier. Weil der Broiler so lecker aussah, bestellten wir nach einem Überlegen ein halbes Huhn und aßen es genüsslich auf. Das ist etwas, das ich in Japan schmerzlich vermisse.
Wir waren schon spät dran. Also bezahlten wir schnell und gingen zum vereinbarten Treffpunkt. Mutz wartete schon ganz ungeduldig auf uns. Sie starrte in zum Ausgang der U-Bahn. Wir nutzten diese Chance und schlichen uns von hinten an sie heran, um sie zu erschrecken. Mit Erfolg!
Nun gingen wir gemeinsam zum Asienladen, um die letzten Zutaten für das heutige Abendessen einzukaufen. Yuko hatte vor, Okonomiyaki zu kochen. Leider gab es nicht alle Zutaten, aber Yuko wusste sich zu helfen und improvisierte dann später.
Bevor wir nach Hause fuhren, besuchten wir noch ein türkisches Café und diskutierten zu dritt über Ehe, Scheidung und andere beziehungstechnische Fragen. Sehr interessant!
Daheim angekommen, machte sie sich sofort ans Werk und schnitt das Fleisch, zerfetzte den Kohl und rührte den Teig an. Da nur ein stumpfes Messer zur Verfügung stand, bekam ich die ehrenvolle Aufgabe, das Fleisch zu zerschneiden.
Nach und nach trafen auch die Gäste und der Rest der Familie ein. Als alles fertig war, saßen wir alle draußen im Garten aßen Okonomiyaki und tranken Bier dabei. Ein schöner letzter Abend in Berlin – in Deutschland.
Wir mussten früh aus den Federn, denn unser Flieger zurück nach Japan startete schon am frühen Nachmittag. Wir packten schnell unsere Sachen und aßen zusammen mit Kati, die aus Schöneberg zu uns kam, gemeinsam Frühstück. Bella hatte den Frühstückstisch ganz festlich gedeckt.
Danach ging es dann langsam los zum Flughafen. Doch bevor wir alles im Auto hatten, kam noch ein kleiner Schock. Ich hatte mich irgendwie verhoben und bekam plötzlich starke stechende Rückenschmerzen. Mutz kam dann mit mehreren Wundersalben, die nach und nach ihre Wirkung zeigten. Mein Rücken wurde wärmer und wärmer. Er blieb es auch bis nach Osaka.
Im Flughafen gingen wir nun zum Schalter, um unsere E-Tickets in richtige Flugtickets umzutauschen. Die nette Frau am Schalter schaute ganz plötzlich sehr verdutzt und sagte: “Der Flug war doch gestern!”.
Scheiße!…. Genau das rief Mutz zu Kati, die etwas weiter hinter mit ihrer Digitalkamera ein Video aufnahm. Die Frau vom Schalter sagte uns, dass wir zu unserer Fluggesellschaft (KLM) gehen und dort mal fragen sollen, was wir in dieser prekären Situation machen können. Wir rannten schnell zu KLM. Die Frau dort schaute in ihren Computer und fand zum Glück noch jeweils zwei freie Plätze für die Flüge nach Amsterdam (Zwischenstop) und nach Osaka. Doch natürlich war dieser Service nicht kostenlos. Insgesamt mussten wir etwas mehr als 117 Euro pro Person bezahlen. Verglichen mit zwei komplett neuen Flugtickets ist das noch ein Schnäppchen. Wir hatten also Glück im Unglück.
Auf diesen Schock lud uns Mutz zu einem Cappuccino ein. Finanziell gesehen war das vielleicht ein Fehler, denn für diese kleinen Tassen musste sie sehr viel bezahlen. Flughäfen sind schon verdammt teuer.
Der Abschied rückte immer näher. Schließlich war es dann so weit. Mit Tränen in den Augen umarmten wir uns alle und verabschiedeten uns auf ungewisse Zeit.
Der Flug nach Amsterdam ging recht flott. Dort im Flughafen kauften wir noch ein paar Souvenirs von unserem letzten Euro und warteten auf den Flug. In Amsterdam wurden wir dann vom Zoll kontrolliert. Eine Beamtin fragte mich, ob die schwarze Tasche meine sei. Nach kurzem Vergewissern verneinte ich ihre Frage. Die Tasche gehörte einem finster aussehenden Japaner. Er hatte ein Springmesser in seiner Gürteltasche. Vor diesem Vorfall wurde er bereits von anderen Beamten untersucht. Er hatte viele Tüten mit verschiedensten Sachen bei sich. Im Flugzeug trafen wir ihn wieder. Anscheinend konnte er sich dann doch noch irgendwie ins Flugzeug mogeln.
Während des langen Fluges schaute ich mir wieder viele Filme an. Yuko schlief teilweise. Endlich war es Zeit fürs Abendbrot. Wir hatten die Auswahl zwischen vegetarischer Pasta und Milchreis plus anderem Zeugs. Milchreis? Michreis auf einem Flug nach Japan? Das war mir sehr suspekt. Von meinen Deutschschülern und Freunden aus Japan weiß ich, dass fast allen Japaner schon von der Idee, Reis in Milch zu kochen, schlecht im Magen wird. Das wäre ungefähr so, als ob man für uns Deutsche Kartoffeln mit Vanillesoße mischen würde. Klingt nicht besonders lecker, oder?
Trotzdem bestellten viele Japaner Milchreis, da wohl die meisten keine Vegetarier waren und sich vielleicht doch nicht genau vorstellen konnten, was man unter Milchreis in Europa versteht.
Da ich als Kind sehr gerne Milchreis gegessen habe, war für mich die Wahl ganz einfach. Auch Yuko wollte nicht unbedingt die faden Nudeln verspeisen und bestellte das gleiche.
Als das Essen endlich da war, öffnete ich die Box. Auf der einen Seite war der Milchreis, der mit Obst versehen war. Auf der anderen Seite war etwas undefinierbares. Zuerst probierte ich den Milchreis. Schon beim ersten Bissen wurde mir mulmig im Magen. Das ist doch kein Milchreis! Das ist reine Chemie! Das Zeugs war nicht süß, sondern extrem süß und schmeckte äußerst unnatürlich. Ich kam ungefähr bis zur Hälfte (bei so einer kleinen Box ist das nicht viel). Anschließend überwand ich meinen Ekel und probierte von der gelb-grünen Pampe auf der anderen Seite. Nach mehrmaligem Kauen stellte sich heraus, dass es sich dabei um Kartoffeln in Erbsensoße handelte. Diese waren total versalzen und hatten eine wirklich unnatürliche Farbe. Auch davon konnte ich nicht viel essen. Yuko ging es nicht besser. Sie aß sogar fast gar nichts. Auch die anderen Fluggäste ließen sich beim Essen Zeit und machten angestrengte Grimassen. Zum Glück hatte ich auch eine kleine Flasche Rotwein bestellt. Mit diesem konnte ich diese geschmackliche Katastrophe vergessen und mich anschließend wieder auf den Monitor konzentrieren.
Kurz vor der Ankunft in Osaka gab es dann nochmal Frühstück. Es war erneut nicht wirklich lecker. Es gab ungenießbaren Salat und dazu ein Stück Kuchen. Ich freute mich schon darauf, den Kuchen zu essen, da er recht lecker aussah. Aber das war er leider nicht. Die Sahnecreme war merkwürdig sauer. Ich ließ fast alles stehen und trank erneut einen Rotwein… der war sehr lecker!
Endlich war der lange Flug vorbei. Yuko und ich mussten uns nun für kurze Zeit trennen. Sie marschierte zu den Ausgängen für japanische Staatsbürger und ich zu den Ausgängen für Inhaber von Langzeitvisa. Meine Schlange war viel kürzer. Am längsten war die Schlange für die Touristen, welche mir auch neidisch hinterherschauten
Durch meine schlechten Erfahrungen beim japanischen Zoll (letztes Jahr ein zweistündiges Interview auf Japanisch) pochte mein kleines Herz ganz schnell. Als ich an der Reihe war, durfte ich meine Finger auf eine futuristische Maschine legen. Die Maschine nahm meine Fingerabdrücke und machte zusätzlich noch Fotos von meinen blauen Äuglein. Zum Glück bin ich nicht kriminell in Japan aufgefallen. Aber nun bin ich in Japan registriert. Die Zollbeamtin (oder war es doch ein Mann?) schaute kurz etwas mistrauisch, aber ließ mich dann ohne Weiteres passieren. Auf der anderen Seite wartete ich dann auf Yuko, bei der es etwas länger dauerte.
Weiter ging es zu unseren Koffern. Wir schnappten uns diese und gingen zur Kofferkontrolle. Der Beamte fragte uns, ob wir irgendwelche verbotenen Sachen bei uns haben. Natürlich haben wir nichts dabei… außer einer Leberwurst (diese hätten wir eigentlich nicht mitbringen dürfen), ein wenig Alkohol und so weiter
Jetzt mussten wir noch knapp eine Stunde mit dem Zug fahren, bevor wir endlich zu Hause ankamen. kurz die ersten Sachen ausgepackt und dann haben wir erstmal für zwei Stunden geschlafen.
Abends kam dann noch Maquis-chan vorbei, den wir per Handy eingeladen hatten. Wir zeigten ihm sämtliche Fotos und Videos und tranken ein Bierchen dabei. Am nächsten Tag hieß es dann leider schon wieder: arbeiten.
Somit endete unsere sehr ereignisreiche Reise ins Land der untergehenden Sonne
Es war eine sehr schöne Zeit mit unserer Familie und unseren Freunden. Vielen Dank an alle und hoffentlich sehen wir uns bald wieder! Vielleicht sogar mal hier in Osaka?





