Urintests in Roppongi
Steffel | 8. Juli 2009 | 3.507 mal gelesenGestern auf Arbeit sprach mich ein Kollege an und zeigte mir einen Zeitungsartikel über Urintests im Tokioter Vergnügungsviertel Roppongi. Roppongi, das berühmt für seine vielen Bars, Clubs und andere speziellere Lokalitäten ist, wird besonders von Ausländern und an Ausländern interessierte Japaner geschätzt. Ein paar mehr Informationen ehr über Roppongi findet ihr in einem Artikel von Tabibito. Dort steht auch geschrieben, dass man sich nicht zu blauäugig durchs Nachtleben dieser Amüsiermeile begeben sollte. Auch wenn Japan als eines der sichersten Länder gilt, gibt es hier genug Kriminelle, die es auch auf ahnungslose Touristen abgesehen haben.
Nun wieder zurück zum Artikel, den mir mein Kollege kurz erklärt hat: Er erzählte mir sehr aufgeregt, was dort geschrieben stand. In Tokio wurden und werden Ausländer schon immer mal von der Polizei angehalten und nach den Papieren gefragt. Ausländer, die länger als drei Monate in Japan verweilen, müssen die sogenannte Alien Registration Card (外国人登録証) stets mit sich führen. Dabei handelt es sich sozusagen um einen Ausweis für Ausländer. Diese muss man auf Anfrage der Polizei vorzeigen. Ich wurde auch schon ein paar Mal von ein paar Polizisten angehalten und ausgefragt. Während der eine Beamte sich mit mir unterhielt, schrieb der andere ganz langsam und ordentlich meinen Namen auf einen Zettel. Normalerweise wollte man nur nachschauen, ob das Visum noch nicht abgelaufen ist.
Nun aber greift man anscheinend zu härteren Methoden. Wie der Titel dieses Beitrags schon sagt, kontrolliert man nun auch bei manchen Ausländern den Urin auf Drogen. Sollte der Test positiv ausfallen, braucht man sich um etwaiges Heimweh nicht mehr zu kümmern. Man wird unverzüglich abegeschoben. Das Visum, das man hatte ist dann natürlich auch Schnee von gestern.
Mein Kollege erzählte mir, dass diese Urintest wohl auch japanweit durchgeführt werden könnten. In dem Artikel der Japan Times, den ich daheim im Internet ausfindig machte, stand davon erstmal nichts, Aber das soll ja nichts heißen. Ich hoffe mal, dass ich nicht irgendwann aufgefordert werde, auf einer Polizeistation in ein Becherchen pinkeln.
Debito Arudou, der Autor des genannten Artikels – gebürtiger Amerikaner und seit Längerem eingebürgerter Japaner – weißt in diesem auch auf die Rechte der Ausländer hin. Ohne eine Ermächtigung darf die Polizei normalerweise keine Taschen konttrollieren, geschweige denn, eine Urinprobe nehmen. Weitere hilfreiche Hinweise findet auf der Homepage von Debito Arudou (auf Englisch).
Warum nun diese plötzlich verschärften Kontrollen?
Gründe dafür sind wohl ein paar Vorfälle in den letzten Monaten. Angefangen hatte es mit ein paar Sumoringern, die positiv auf Marihuana getestet wurden. Darunter waren auch einige ausländische Ringer. Nur wenig später wurden einige Studenten mit Drogen von der Polizei erwischt. Die Jugendlichen verwiesen auf ausländische Drogendealer in… Roppongi.
Demnächst soll die Alien Registration Card, kurz ARC, durch eine Chip-Karte ersetzt werden, auf der alle wichtigen Daten gespeichert sind. Um an die Informationen zu kommen, braucht die Polizei noch nicht einmal ihren Besitzer ansprechen. Man benutzt einfach einen speziellen Kartenleser, mit dem man aus ein paar Metern Entfernung alles lesen kann. Einen guten Beitrag, der auf die Neuerungen und die Vor- und Nachteile dieser neuen Karte eingeht, findet ihr auf Tabibitos Blog.
Ja, Sicherheit wird in Japan sehr groß geschrieben. Dass diese Sicherheit auf Kosten der Privatsfähre geht, ist dabei anscheinend egal (z. B. auch Speicherung der Fingerabrücke am Flughafen).
Wort des Tages: 公安 (kōan = öffentliche Sicherheit)
Im Grunde kann man sich in Japan sehr sicher fühlen. Jedenfalls fühle ich mich viel sicherer als in Deutschland.





