Auf nach Minoo
Steffel | 29. November 2009 | 3.407 mal gelesenAm letzten Montag war hier in Japan Feiertag. Wir nutzen diesen zusätzlichen freien Tag, um nach Minoo im Norden Osakas zu fahren. Minoo ist in dieser Jahreszeit für das rote Herbstlaub berühmt.
Zusammen mit Bertram, einem deutschen Praktikanten trafen wir uns in Umeda. Mit Bus und Bahn ging es zum Katsuōji-Tempel (勝王子). Dort haben früher japanische Militärs für einen erfolgreichen Ausgang einer Schlacht oder eines Krieges gebetet. Heute betet man hier eher um persönliche Dinge wie zum Beispiel das erfolgreiche Bestehen eines Examens, der Führerscheinprüfung oder um eine neue Arbeitsstelle zu finden.
Um den Tempel anzuschauen, muss man 400 Yen bezahlen, was wir auch brav machten. Aber es gab niemanden, der uns kontrollierte. Also hätten wir im Nachhinein gar nicht bezahlen müssen. Auf dem Rückweg stand dann eine ältere Dame am Einlass und wirkte ein wenig überfordert mit ihrer Aufgabe.
Nun ging es weiter zum berühmten Wasserfall in Minoo, der der größte hier in der Gegend ist. Doch so einfach war das nicht. Wir mussten eine ganze Weile bergauf bergab quer durch den Wald wandern. Unterwegs trafen wir auf entgegenkommende Wandergruppen, darunter auch eine Gruppe junger Mädchen, die aussahen, als ob sie vom Ballett kamen. Die erste von ihnen rief “alle nach links” und die anderen bestätigten dies einstimmig und wechselten die Seite, so dass wir vorbei konnten. Fast alle entgegenkommenden Wanderer begrüßten uns mit einem freundlichen “konnichiwa”, was mit der Zeit recht anstrengend wurde, da wir auf immer mehr Wanderer trafen.
Schließlich erreichten wir den Wasserfall und waren erstmal geschockt. Dort gab es plötzlich unzählige Menschen, die sich an den Imbissbuden, Restaurants und eben vorm Wasserfall versammelten. Trotz dieser beängstigenden Menge marschierten wir in Richtung Wasserfall, um ihn aus der Nähe zu betrachten. Dort trafen wir dann auch zum ersten Mal auf andere Ausländer, die etwas verunsichert wirkten. Ich selbst war vom Wasserfall ein wenig enttäuscht, da ich ihn mir doch größer vorgestellt hatte. Weiterhin wollte ich die berühmten Affen in Minoo mal sehen, aber die haben sich wohl aufgrund der Unmenge an Menschen nicht herausgetraut. Aber das war halb so schlimm, da ich diese japanischen Affen schon im Januar in Beppu sehen konnte.
Nach ein paar Minuten machten wir uns dann schließlich auf den Heimweg. Aber dafür müssten wir uns erneut durch die riesige Menschenmasse kämpfen. Für die knapp 2.8 km bis zum Bahnhof benötigten wir knapp 50 Minuten. Zwischendurch probierten wir noch das Momiji-Tempura. Das sind frittierte Ahornblätter, eine Spezialität dieser Gegend. Man sollte es einmal probiert haben, aber ein zweites Mal muss man es nicht unbedingt kaufen
Zurück in Umeda wollten wir in ein Izakaya gehen. Aber da es erst 15:30 Uhr war, mussten wir noch irgendwie 90 Minuten verbringen, bis das Izakaya öffnete. Zuerst gingen wir zu einem Tiergeschäft, um die dortigen Tierchen anzuschauen. Dazu muss man sagen, dass die kleinen Hunde und Katzen in nicht gerade tierfreundlichen Glasboxen einzeln eingesperrt sind und man sie um sie kaum zu kümmern scheint. In der Mitte des Geschäfts gab es einen Käfig in dem 4-5 Hündchen – für mich Ratten – um die Wette bellten. Besonders zwei Chihuahua waren völlig von der Rolle und bekämpften selbst die größeren Hundewelpen. Weiter hinten wurde es dann interessanter. Plötzlich hörte ich ein “Ohayō” (= Guten Morgen). Eine Krähe und ein Gelbbrustara wechselten sich mit der netten Begrüßung ab. Besonders der Ara hat es mir angetan. Schließlich ist das mein Lieblingspapagei. Er wirkte allerdings ein wenig verrückt, was aufgrund des zu kleinen Käfigs kein Wunder war. Nur zwei Meter entfernt gab es… eine Ziege! Wer in aller Welt kauft sich mitten im Stadtzentrum eine Ziege? Das arme Tier wirkte auch sehr apathisch…
Nach zwanzig Minuten verließen wir das Geschäft und gingen zu einem Pachinko. Bertram wollte es mal ausprobieren. Wir ließen das aber dann doch sein und gingen ein wenig Dart spielen. Nach der ersten Partie erklärte mir Bertram, dass er in Deutschland einem Dart-Verein angehört. Kein Wunder, warum er uns so locker besiegte ![]()
Nach drei Partien war es endlich nach 17 Uhr und wir gingen für ein paar Stunden ins Izakaya und stopften unsere Mägen mit billigen, aber leckeren Speisen
Wort des Tages: 紅葉 (momiji =buntes (rotes) Herbstlaub)





