{"id":461,"date":"2009-09-27T13:58:14","date_gmt":"2009-09-27T11:58:14","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.magnifiq.net\/japan\/?p=461"},"modified":"2010-01-15T06:53:13","modified_gmt":"2010-01-15T04:53:13","slug":"amtliche-drahteseldiebe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.magnifiq.net\/japan\/2009\/09\/amtliche-drahteseldiebe\/","title":{"rendered":"Amtliche Drahteseldiebe"},"content":{"rendered":"<p>Fast t\u00e4glich schwinge ich mich auf mein Fahrrad und fahre quer durch die Stadt, um entweder zur Arbeit oder zu einer anderen Verabredung zu kommen. So auch am Freitagmorgen. Seit diesem Tag wird direkt am Umeda-Bahnhof gebaut und es stehen unz\u00e4hlige uniformierte Bahnangestellte herum, die den Massen von heranst\u00fcrmenden Kaufleuten, Studenten, Hausfrauen usw. den Weg weisen m\u00fcssen. \u00dcberall Menschen, lautes Geschrei (bitte halten Sie sich links&#8230; blablabla). Dort, wo ich mein Fahrrad sonst immer abgestellt habe, konnte ich es an diesem Tag leider nicht abstellen, da sich genau dort mehrere Bahnangestellte versammelt hatten. Also fuhr ich einmal ums Bahnhofsgel\u00e4nde und suchte mir schnell einen anderen Platz, da mir die Zeit davon lief.<br \/>\nSchnell eine Fahrkarte gekauft und ab in n\u00f6rdlich gelegene Senri-chuo. Von dort aus musste ich wie immer eine halbe Stunde durch sp\u00e4tsommerliche Vorstadtstra\u00dfen laufen, bis ich endlich mein Ziel &#8211; die Sprachschule &#8211; erreichte. Der ganze Aufwand nur f\u00fcr 60 Minuten Arbeit. Zur\u00fcck ging es dann weitaus weniger stressig zu. Ich wurde zum Bahnhof gefahren und der Zug war auch angenehm leer, so dass ich ein wenig schlummern konnte.<br \/>\nDa ich nun ein wenig Zeit hatte, wollte ich schnell nach Hause fahren, um mich noch einmal frisch zu machen. Aber wo war das Fahrrad? Ich suchte die ganze Gegend ab. Vielleicht hatte ich es doch woanders abgestellt? Aber leider war dem nicht so. Unten auf dem Fu\u00dfweg klebte ein zerfetzter Zettel, auf dem stand, dass genau an diesem Tag alle Fahrr\u00e4der rund ums Bahnhofsgel\u00e4nde eingesammelt werden. Leider darf man seinen Drahtesel besonders im Stadtzentrum nirgendwo abstellen, au\u00dfer nat\u00fcrlich auf geb\u00fchrenpflichtigen Abstellpl\u00e4tzen&#8230; Bisher ging es immer gut. Leider nicht an diesem Tag.<br \/>\nAlso musste ich nach Hause laufen, was nat\u00fcrlich meine Pause stark verk\u00fcrzte. Gestern begab ich mich dann zuerst im Internet auf die Suche nach meinem Fahrrad. Auf dem zerfetzten Zettel stand die Adresse, wo die von der Stadt bezahlten &#8222;Fahrraddiebe&#8220; meinen roten Drahtesel entf\u00fchrt hatten. Nat\u00fcrlich befindet sich dieser Ort NICHT irgendwo in der N\u00e4he, sondern irgendwo im Westen von Osaka und auch noch 20 Minuten zu Fu\u00df vom n\u00e4chstgelegenen Bahnhof (Bentenchou) entfernt.<br \/>\nGestern Abend nach meinem Unterricht machte ich mich dann auf den Weg. Ich wusste, dass Bentenchou nicht gerade die beste Gegend von Osaka ist. Und die zwanzig Minuten zu Fu\u00df best\u00e4tigten mich. Die H\u00e4user und Stra\u00dfen sind teilweise schon sehr schmutzig und es gibt viele \u00e4ltere M\u00e4nner, die nicht gerade so aussehen, als ob sie in Geld schwimmen w\u00fcrden. Na gut.. das tue ich ja auch nicht \ud83d\ude09 Trotzdem ein wenig anders.<br \/>\n\u00dcbrigens war der Weg zum Abstellplatz sp\u00e4rlich, aber gut ausgeschildet. Sofern man ein wenig Japanisch versteht, kann man es leicht finden.<\/p>\n<p><a class=\"highslide\" title=\"quittung\" onclick=\"return hs.expand(this)\" href=\"http:\/\/blog.magnifiq.net\/japan\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/quittung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment wp-att-462 \" style=\"margin: 3px; border: 1px solid #cccccc; padding: 3px;\" src=\"http:\/\/blog.magnifiq.net\/japan\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/quittung.thumbnail.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" align=\"right\" \/><\/a>Auf dem Weg \u00fcberholte mich ein kleiner Japaner (ein Mann), der es anfangs sehr eilig hatte. Nach und nach wurde er langsamer und schaute mehrmals nach hinten zu mir. Schlie\u00dflich lie\u00df er mich auch \u00fcberholen. Als ich dann endlich den Fahrradabstellplatz erreicht hatte und durchs Tor marschierte, rannte er an mir vorbei und fragte auf br\u00fcchigem Englisch, ob ich denn auch mein Fahrrad abholen m\u00f6chte. &#8222;Nat\u00fcrlich&#8220;, erwiderte ich. Er sprang zuerst ins kleine Geb\u00e4ude, in dem ein paar \u00e4ltere M\u00e4nner sa\u00dfen, die sich um die vielen Fahrr\u00e4der k\u00fcmmerten, die nach Abholtagen sortiert herumstanden. Schlie\u00dflich kam einer der \u00e4lteren Herrschaften zu mir und \u00fcberreichte mir ein Formular, auf dem ich meinen Namen, Telefonnummer und Adresse ausf\u00fcllen sollte. Erstmal schrieb ich meinen Namen und Telefonnummer, da diese Infos einfacher zu schreiben sind \ud83d\ude09 Als ich meine Adresse aufschreiben wollte, sagte der Alte, dass das nicht so wichtig sei. &#8222;Schreib irgendwas&#8220;, faselte er auf Japanisch. Also brach ich mittendrin ab und bezahlte die recht \u00fcppige Geb\u00fchr von 2.500 Yen (ca. 19 Euro).<br \/>\nZusammen mit dem alten Mann begab ich mich zu den Fahrr\u00e4dern, die am Freitag mitgenommen wurden. Mein wundersch\u00f6nes rotes Fahrrad erkannte ich sofort. Es stand gleich in der ersten Reihe (und es waren viele Fahrr\u00e4der dort!). Schl\u00fcssel reingesteckt, ob es denn auch wirklich mein Rad w\u00e4re. Der Alte entfernte den roten Zettel, der am Lenker befestigt war und drehte sich nach knapper Verabschiedung um.<br \/>\nIch schwang mich auf mein Fahrrad und fuhr den weiten Weg quer durch Osaka nach Hause. Knapp eine Stunde war ich insgesamt unterwegs, wobei mich die unz\u00e4hligen Ampeln und wirr durch die Gegend laufende bzw. fahrende Japaner viel Zeit kosteten.<\/p>\n<p>Da ich nicht der einzige bin, der sein Fahrrad dort abholen musste, war es nicht besonders schwer, ein paar japanische Blogs zu finden, auf denen es sogar ein paar Fotos vom Weg und vom Abstellplatz gibt. Somit brauchte ich mir nicht die M\u00fche machen, ein paar Fotos zu schie\u00dfen, sondern gebe euch einfach mal die Links:<\/p>\n<p>&#8211; Blog 1 &#8211; <a href=\"http:\/\/nachamusic.blog.so-net.ne.jp\/2009-05-26\" target=\"_blank\">Fotos vom Weg zum Abstellplatz<\/a><br \/>\n&#8211; Blog 2 &#8211; <a href=\"http:\/\/blogs.yahoo.co.jp\/xmanxjp77\/29406995.html\" target=\"_blank\">Fotos der vielen Fahrr\u00e4der, die auf ihre Besitzer warten<\/a><\/p>\n<p>Aus lauter Frust ging ich dann mit meiner besseren H\u00e4lfte in mein Lieblings-Izakaya und trank neben einem erfrischenden Bier auch noch Nigori-Sake, den ihr &#8211; wenn ihr mal in Japan seid &#8211; unbedingt probieren m\u00fcsst.<\/p>\n<p><strong>Wort des Tages:<\/strong> \u81ea\u8ee2\u8eca\u4fdd\u7ba1\u6240 (jitensha hokanjo = Fahrradaufbewahrungsort)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fast t\u00e4glich schwinge ich mich auf mein Fahrrad und fahre quer durch die Stadt, um entweder zur Arbeit oder zu einer anderen Verabredung zu kommen. 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