{"id":59,"date":"2008-07-11T04:16:05","date_gmt":"2008-07-11T02:16:05","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.magnifiq.net\/japan\/?p=59"},"modified":"2012-06-20T05:26:10","modified_gmt":"2012-06-20T03:26:10","slug":"pachinko","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.magnifiq.net\/japan\/2008\/07\/pachinko\/","title":{"rendered":"Pachinko"},"content":{"rendered":"<p>Heute m\u00f6chte ich \u00fcber eine gro\u00dfe Leidenschaft (oder eher Sucht) vieler Japaner erz\u00e4hlen: Pachinko. Aber was verbirgt sich hinter diesem Begriff? Dabei handelt es sich um Gl\u00fccksspielhallen, die mit unz\u00e4hligen von Spielautomaten &#8211; \u00e4hnlich denen Einarmiger Banditen &#8211; gef\u00fcllt sind. Pachinko ist schon fast ein Teil der modernen japanischen Kultur. Immerhin suchen angeblich 15 Millionen Japaner regelm\u00e4\u00dfig diese Spielhallen auf. Auf einer anderen Seite habe ich sogar gelesen, dass es bis zu 25% der japanischen Bev\u00f6lkerung spielen, also um die 30 Millionen Menschen! Welche Zahl nun eher zutrifft, kann ich nicht sagen. Aber diese Einrichtungen sind teilweise von morgens bis nachts rappelvoll. Und es gibt wirklich viele Pachinkos in Japan. Teilweise stehen gleich mehrere solcher Spielhallen direkt nebeneinander. Dabei scheinen manche Pachinkos wesentlich beliebter zu sein als andere. Warum, w\u00fcrde ich auch gerne mal wissen.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher habe ich morgens auf dem Weg immer eine der ber\u00fchmtesten Einkaufsstra\u00dfen Osakas passiert. Schon eine Stunde, bevor die Spielhallen ge\u00f6ffnet wurden, gab es schon lange Schlangen wartender Spiels\u00fcchtiger. Dabei konnte ich auch des \u00d6fteren die gleichen Personen wahrnehmen, die ich dann abends noch beim Spielen sah.<\/p>\n<p>Es gibt auch Berufsspieler, die um die 2500 Euro monatlich verdienen k\u00f6nnen. Ich denke mal, dass man daf\u00fcr wirklich den ganzen Tag vor diesen langweiligen Automaten sitzen und immer die gleiche monotone Bewegung machen muss, um so viel Geld zu erwirtschaften.<br \/>\nIch selbst w\u00fcrde es in so einer Spielhalle nicht sehr lange aushalten. Das liegt weniger an den Automaten selbst, sondern eher am ungeheuer lauten Krach, der elektronischen Musik und der Angestellten, die gro\u00dfe Gewinne versprechen und Sonderaktionen anpreisen. Bei den Angestellten handelt es sich meistens um junge M\u00e4nner und Frauen. Letztere rennen oft mit kurzen R\u00f6ckchen herum. Aber das ist ja hier in Japan sowieso Gang und G\u00e4be.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens wird mit vielen kleinen Kugeln gespielt, die man sich vorher in K\u00f6rben besorgt. Die meisten Spieler haben zehn oder mehr solcher K\u00f6rbe neben sich stehen. Ich wei\u00df nicht, wie viele Kugeln in einem Korb passen, aber es m\u00fcssten mehrere Hundert sein. Am Automaten gibt es lediglich ein Rad, an dem man die Geschwindigkeit der eingeworfenen Kugeln einstellen kann. Danch wird alles dem Zufall \u00fcberlassen. Die Kugeln werden durch das Spielfeld geschossen und passieren dabei einige Hindernisse. Die meisten der kleinen Metallb\u00e4llchen verschwinden als Nieten. Sollte mal doch eine Kugel durch eines der gewinnbringenden L\u00f6cher fallen, gibt es nicht etwa Geld, sondern nur weitere Kugeln, die man gleich wiederverwenden kann.<br \/>\nAbgesehen von der staatlichen Lotterie gibt es in Japan ein Verbot f\u00fcr Geldgewinne. Die gewonnen K\u00fcgelchen kann man zum Schluss gegen Sachpreise eintauschen, die aber einen jeweiligen Wert von 10.000 Yen (ca. 60 Euro) nicht \u00fcberschreiten d\u00fcrfen.<br \/>\nAber wie kommen die Berufsspieler nun ans Geld? Von Sachpreisen wie Feuerzeuge, Parf\u00fcm oder Kuscheltierchen kann man sich schlecht ern\u00e4hren. Ganz einfach: In der n\u00e4heren Umgebung der Pachinkos gibt es kleine Buden, an denen man seine Sachpreise anonym (K\u00e4ufer und Verk\u00e4ufer k\u00f6nnen sich wegen eines Sichtschutzes nicht sehen) in Bargeld umtauschen kann. Und schon hat man das gesetzliche Verbot ohne gr\u00f6\u00dfere Anstrengungen umgangen.<\/p>\n<p>Wie anfangs erw\u00e4hnt, sind einige oder viele der Pachinko spielenden Japaner s\u00fcchtig. Das ging schon nicht nur einmal so weit, dass eine junge Mutter ihr Baby im Auto lie\u00df und dann f\u00fcr mehrere Stunden mit Murmeln gespielt hat. Als sie dann wieder zum Auto zur\u00fcckkam, war ihr Kind leider gestorben&#8230;<\/p>\n<p>Hier noch zwei Bilder:<br \/>\n<a class=\"highslide-image\" onclick=\"return hs.expand(this);\" href=\"http:\/\/blog.magnifiq.net\/japan\/wp-content\/uploads\/2008\/07\/pachinko1.jpg\"><img decoding=\"async\" title=\"Click to enlarge\" src=\"http:\/\/blog.magnifiq.net\/japan\/wp-content\/uploads\/2008\/07\/pachinko1-150x150.jpg\" alt=\"image\" \/><\/a><a class=\"highslide-image\" onclick=\"return hs.expand(this);\" href=\"http:\/\/blog.magnifiq.net\/japan\/wp-content\/uploads\/2008\/07\/pachinko2.jpg\"><img decoding=\"async\" title=\"Click to enlarge\" src=\"http:\/\/blog.magnifiq.net\/japan\/wp-content\/uploads\/2008\/07\/pachinko2-150x150.jpg\" alt=\"image\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute m\u00f6chte ich \u00fcber eine gro\u00dfe Leidenschaft (oder eher Sucht) vieler Japaner erz\u00e4hlen: Pachinko. Aber was verbirgt sich hinter diesem Begriff? 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