{"id":721,"date":"2011-03-18T19:45:40","date_gmt":"2011-03-18T17:45:40","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.magnifiq.net\/japan\/?p=721"},"modified":"2011-03-18T19:45:40","modified_gmt":"2011-03-18T17:45:40","slug":"schwere-zeiten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.magnifiq.net\/japan\/2011\/03\/schwere-zeiten\/","title":{"rendered":"Schwere Zeiten&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Zuerst einmal m\u00f6chte ich mein herzliches Beileid f\u00fcr alle Erdbeben- und Tsunamiopfer ausdr\u00fccken. Was in den letzten sieben Tagen los war, ist eigentlich mir immer noch nicht begreiflich. Obwohl ich auch in diesem Land wohne, geht hier &#8211; \u00fcber 600 km von Fukushima entfernt \u00a0&#8211; das Leben seinen (fast) normalen Gang. Hier in Osaka war das gro\u00dfe Beben teilweise auch zu sp\u00fcren gewesen, je nachdem, wo man sich befand.. W\u00e4hrend meine Frau in ihrem B\u00fcro das Beben recht stark zu sp\u00fcren bekam, habe ich davon erst im TV erfahren, obwohl ich nur einige 100 Meter von ihr entfernt war.<br \/>\nMein Schwager war am Tag des Erdbebens in Sendai auf Gesch\u00e4ftsreise, also genau mittendrin. Zum Gl\u00fcck ist ihm nichts passiert, so dass er zwei Tage sp\u00e4ter \u00fcber Umwege wieder nach Tokio zur\u00fcckkehren konnte. Da sein Handy leer war, konnten wir mit ihm nicht in Kontakt treten. Zum Gl\u00fcck kam dann doch noch eine Mail, in der er schrieb, dass es ihm gut geht.<\/p>\n<p>\u00dcber das Erdbeben und \u00fcber das, was in Tokio los ist\/war, selbst kann ich nicht berichten. Ich verweise aber auf den Blog von <a href=\"http:\/\/www.tabibito.de\/japan_blog\/blogs\/index.php\" target=\"_blank\">Tabibito<\/a> aus Tokio verweisen, der sehr detailliert \u00fcber seine Erlebnisse und \u00fcber die Lage in Japan allgemein berichtet.<\/p>\n<p>Die Naturkatastrophen haben zwar in Osaka keinen direkten Schaden angerichtet, aber man merkt die Auswirkungen schon. Auch bei mir auf Arbeit merkt man die Auswirkungen.\u00a0Nat\u00fcrlich wird man mit den katastrophalen Folgen konfrontiert, wenn man den Fernseher anschaltet. Die ersten Tage lief fast den ganzen Tag \u00fcber etwas zur Katastrophe in Nordostjapan. Mittlerweile hat die Berichterstattung aber etwas nachgelassen, auch wenn sich die Lage im AKW Fukushima nicht wirklich verbessert hat.<\/p>\n<p>Einige meiner ausl\u00e4ndischen Bekannten haben Japan schon verlassen, teilweise nur f\u00fcr kurze Zeit, manche werden wohl nicht mehr zur\u00fcckkommen. Ob diese Entscheidung vorschnell oder berechtigt war, mag ich nicht beurteilen. F\u00fcr mich stand und steht aber fest, dass ich hier bleibe, auch wenn sich die Situation noch verschlimmern sollte. Nat\u00fcrlich w\u00fcrde ich die Flucht ergreifen, sollte es eine ernste Gefahr f\u00fcr mich hier in Osaka bestehen. Dann w\u00fcrde ich vielleicht zu meinen Schwiegereltern fahren, die noch einige 100 km westlich wohnen.<br \/>\nWarum ich Japan nicht verlassen m\u00f6chte, hat einige Gr\u00fcnde. Wie schon angedeutet, sehe ich derzeitig keine wirkliche Gefahr f\u00fcr Osaka. Ein anderer wichtiger Grund ist, dass ich hier meine Familie habe und ich mich nach den Jahren, die ich mittlerweile schon hier lebe, Osaka als mein Zuhause ansehe. Au\u00dferdem habe ich hier meine Arbeit, der ich nachgehen muss und auch will.<\/p>\n<p>Heute bin ich wegen einer Visumsangelegenheit \u00a0zur Einwanderungsbeh\u00f6rde in Osaka gegangen. Ich hatte mir schon gedacht, dass es etwas voller werden k\u00f6nnte. In den Nachrichten hat man ja schon seit Tagen geh\u00f6rt, dass viele Ausl\u00e4nder, die f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit in Japan leben, sich eine Wiedereinreisegenehmigung holen wollten, damit sie, falls sich die Lage wieder bessert, zur\u00fcckkommen k\u00f6nnen.<br \/>\nich war aber dann doch etwas \u00fcberrascht, dass es dann so viele Leute waren, die das Land verlassen wollen. Teilweise kamen sie mit gro\u00dfen Koffern zum Amt, um im Anschluss den Flieger ins Heimatland zu nehmen.<br \/>\nDie Leute waren alle sehr geduldig. Trotzdem ging es aufgrund der vielen Menschen etwas chaotisch zu. F\u00fcr eine sehr einfache Angelegenheit, die normalerweise 10 Minuten in Anspruch nimmt, brauchte ich diesmal fast drei Stunden.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte noch kurz zum Schluss etwas zu den deutschen Medien sagen. Die Berichterstattung ist teilweise purer Sensationsjournalismus. Die Situation im Nordosten von Japan ist extrem. Aber auf welche Art und Weise dar\u00fcber berichtet wird, ist teilweise einfach nur peinlich. Ja, es gibt Hamsterk\u00e4ufe in Tokio und die Menschen sind nat\u00fcrlich auch nerv\u00f6s und ersehnen sich ein gutes und schnelles Ende der Katastrophe. Aber dass die Stra\u00dfen menschenleer sind und dass alle Menschen in Japan Hunger und Not leiden m\u00fcssen, stimmt nicht. In den weiter entfernten Gebieten gehen die Menschen ihrem Alltag nach, haben genug zu Essen und Trinken und ein warmes Heim. Hier fahren die Bahnen und Busse normal weiter und die Superm\u00e4rkte etc. haben wie sonst auch ge\u00f6ffnet.<br \/>\nDas liegt allerdings auch daran, dass das Stromnetz in dieser Gegend ein anderes ist als das in Tokio und Umgebung. Das ist in so einer Situation wie dieser wirklich bedauerlich&#8230;<\/p>\n<p>Naja, ich hoffe, dass mein Geburtstag heute f\u00fcr alle Menschen, die von der Katastrophe betroffen sind, ein guter Tag wird, indem die vielen mutigen und hart arbeitenden Rettungskr\u00e4fte die Gefahr, die vom AKW in Fukushima ausgeht, beseitigen k\u00f6nnen und die Menschen und das Land sich auf den schweren und langwierigen Wiederaufbau konzentrieren k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zuerst einmal m\u00f6chte ich mein herzliches Beileid f\u00fcr alle Erdbeben- und Tsunamiopfer ausdr\u00fccken. Was in den letzten sieben Tagen los war, ist eigentlich mir immer noch nicht begreiflich. Obwohl ich auch in diesem Land wohne, geht hier &#8211; \u00fcber 600 km von Fukushima entfernt \u00a0&#8211; das Leben seinen (fast) normalen Gang. 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