Bye-bye Cerezo
Steffel | 1. August 2011 | 416 mal gelesenGestern abend war ich mal wieder bei einem Ligaspiel meiner japanischen Lieblingsmannschaft Cerezo Osaka. Ähnlich meinem deutschen Lieblingsverein glänzt die Truppe aus Osaka nicht mit guten Leistungen. Immerhin spielen sie (noch) in der ersten Liga.
Gestern war ein besonderes Spiel. Das lag nicht unbedingt am Gegner, den Kashima Antlers, sondern an einem Spieler von Cerezo, der sein letztes Spiel für den sympathischen Verein aus Osaka bestritt und von nun an in der zweiten Bundesliga beim VfL Bochum spielen wird: Inui Takashi (乾貴士). Zudem gab es noch eine kleine Aktion: Alle, die in einem Yukata (traditionelles japanisches Bekleidungsstück) tragen, erhalten ein kostenloses Kakigōri-Eis (かき氷). Zwar besitze ich keinen Yukata, aber dafür Yuchan, die sich den nach Anleitung aus dem Internet angezogen hat. So superleicht sind richtige Yukatas nun auch wieder nicht anzuziehen. Besonders das Umlegen des Gürtels kann ein paar Minuten in Anspruch nehmen, sofern man das nicht geübt ist.
Am Stadion angekommen, bemerkten wir gleich die ungewöhnlich vielen Leute, die sich artig in Reih und Glied anstellten. Wenn gewöhnlich knapp 10.000 Menschen zu einem Heimspiel pilgern, waren es gestern immerhin über 28.000 Fußballbegeisterte. Davon waren wohl die meisten eher wegen Inui Takashi gekommen und nicht wegen der Chance auf ein kostenloses Eis. Das konnte man leicht daran erkennen, dass es nur wenige Leute gab, die sich beim feuchtwarmen Wetter in einen Yukata geschlüpft sind.
Zurück zu den vielen Leuten… Anscheinend ist man so einen Ansturm nicht gewohnt. Denn der Einlass war sehr chaotisch. Wir stellten uns in die lange Reihe der Wartenden, die mehrmals verschleift war. Im Laufe der Zeit vermischten sich die Leute, sodass man nicht mehr durchsah, wohin man eigentlich gehen soll, um endlich ins Stadion zu kommen. Erstaunlich wie brav die Japaner sich anstellten und fast keinen Mux von sich gaben. Nur wenige äußerten sich kritisch über die schlechte Organisation.
Nach über 30 Minuten waren wir endlich im Stadion und konnten zu unseren Plätzen gehen, die ein japanischer Freund von uns durch Mut und Einsatz seines Lebens für uns freigehalten hat. Wenige Sekunden vorm Anpfiff saßen wir also auf unseren Plätzen und hofften auf ein gutes Spiel unserer Mannschaft.
Es fing auch ganz gut an. Cerezo ging durch den Star des Abends, Inui Takashi, mit einem schönen Tor recht früh in Führung. Aber wie fast immer, wenn ich im Stadion bin, endet es eben nicht mit einem Sieg. So war es leider auch heute… Und heute war es besonders schlimm, da besonders die beiden Koreaner bei Cerezo einen rabenschwarzen Tag erwischt hatten. Speziell der Torwart, der immerhin Nationalspieler Koreas ist, leistete sie gleich zwei große Fehler und war auch beim dritten Gegentreffer nicht gerade gut auf dem Posten.
Am schlimmsten war das Ausgleichstor, das eine Kopie eines Tores des letzten Bundesligasaison war. Leider weiß ich nicht mehr, bei welchem Spiel das Tor fiel. Kim Jin-hyun, der Torwart von Cerezo, hielt den Ball in der Hand und dachte nun daran, einen weiten Abschlag zu machen. Er legte sich den Ball zurecht, ohne zu wissen, dass direkt hinter ihm ein gegnerischer Spieler genau auf diese äußerst dumme Unachtsamkeit lauerte. Kaum lag der Ball auf dem Boden, schnappte sich der Gegenspieler den Ball, legte sich den Ball noch schnell zurecht und erzielte völlig freistehend das Tor. Unfassbarkeit bei den Fans im Stadion.
Sozusagen mit dem Pausenpfiff fiel dann auch noch das 2:1 für den Kashima. Durch eine schwache Abwehrleistung und eben einen schwachen Keeper konnten die Kashima Antlers nun mit einer Führung in die Pause gehen.
Die zweite Halbzeit sah nicht besser aus. Zuerst verschoss der andere koreanerische Nationalspieler Cerezos, Kim Bo-kyung einen Elfmeter. Dann war es wieder der Torwart, der zu weit vorm Tor stand und somit einen Fernschuss nur noch unwesentlich abfälschen konnte und damit auch für das dritte Gegentor hauptverantwortlich war.
Bis auf mein allererstes Spiel, das ich live im Stadion verfolgt habe, konnte ich bisher noch keinen Sieg Cerezos genießen. Der Gegner beim einzigen Sieg war eine indonesische Mannschaft, geradeso mit 2:1 geschlagen wurde.
Trotz der miserablen Vorstellung am gestrigen Sonntag gab es noch eine kleine Abschiedszeremonie für den diesjährigen Superstar bei Cerezo. Schon im letzten Jahr wurde ja ein sehr talentierter Spieler von einem deutschen Verein verpflichtet: Kagawa Shinji. Der Ausverkauf geht also weiter. Leider erhält Cerezo nicht gerade viel Geld, das man investieren könnte, da japanische Spieler leider (noch?) keinen hohen Marktwert haben.
Wort des Tages: 別れ (wakare = Abschied)







