Schwere Zeiten…
Steffel | 18. März 2011 | 749 mal gelesenZuerst einmal möchte ich mein herzliches Beileid für alle Erdbeben- und Tsunamiopfer ausdrücken. Was in den letzten sieben Tagen los war, ist eigentlich mir immer noch nicht begreiflich. Obwohl ich auch in diesem Land wohne, geht hier – über 600 km von Fukushima entfernt - das Leben seinen (fast) normalen Gang. Hier in Osaka war das große Beben teilweise auch zu spüren gewesen, je nachdem, wo man sich befand.. Während meine Frau in ihrem Büro das Beben recht stark zu spüren bekam, habe ich davon erst im TV erfahren, obwohl ich nur einige 100 Meter von ihr entfernt war.
Mein Schwager war am Tag des Erdbebens in Sendai auf Geschäftsreise, also genau mittendrin. Zum Glück ist ihm nichts passiert, so dass er zwei Tage später über Umwege wieder nach Tokio zurückkehren konnte. Da sein Handy leer war, konnten wir mit ihm nicht in Kontakt treten. Zum Glück kam dann doch noch eine Mail, in der er schrieb, dass es ihm gut geht.
Über das Erdbeben und über das, was in Tokio los ist/war, selbst kann ich nicht berichten. Ich verweise aber auf den Blog von Tabibito aus Tokio verweisen, der sehr detailliert über seine Erlebnisse und über die Lage in Japan allgemein berichtet.
Die Naturkatastrophen haben zwar in Osaka keinen direkten Schaden angerichtet, aber man merkt die Auswirkungen schon. Auch bei mir auf Arbeit merkt man die Auswirkungen. Natürlich wird man mit den katastrophalen Folgen konfrontiert, wenn man den Fernseher anschaltet. Die ersten Tage lief fast den ganzen Tag über etwas zur Katastrophe in Nordostjapan. Mittlerweile hat die Berichterstattung aber etwas nachgelassen, auch wenn sich die Lage im AKW Fukushima nicht wirklich verbessert hat.
Einige meiner ausländischen Bekannten haben Japan schon verlassen, teilweise nur für kurze Zeit, manche werden wohl nicht mehr zurückkommen. Ob diese Entscheidung vorschnell oder berechtigt war, mag ich nicht beurteilen. Für mich stand und steht aber fest, dass ich hier bleibe, auch wenn sich die Situation noch verschlimmern sollte. Natürlich würde ich die Flucht ergreifen, sollte es eine ernste Gefahr für mich hier in Osaka bestehen. Dann würde ich vielleicht zu meinen Schwiegereltern fahren, die noch einige 100 km westlich wohnen.
Warum ich Japan nicht verlassen möchte, hat einige Gründe. Wie schon angedeutet, sehe ich derzeitig keine wirkliche Gefahr für Osaka. Ein anderer wichtiger Grund ist, dass ich hier meine Familie habe und ich mich nach den Jahren, die ich mittlerweile schon hier lebe, Osaka als mein Zuhause ansehe. Außerdem habe ich hier meine Arbeit, der ich nachgehen muss und auch will.
Heute bin ich wegen einer Visumsangelegenheit zur Einwanderungsbehörde in Osaka gegangen. Ich hatte mir schon gedacht, dass es etwas voller werden könnte. In den Nachrichten hat man ja schon seit Tagen gehört, dass viele Ausländer, die für längere Zeit in Japan leben, sich eine Wiedereinreisegenehmigung holen wollten, damit sie, falls sich die Lage wieder bessert, zurückkommen können.
ich war aber dann doch etwas überrascht, dass es dann so viele Leute waren, die das Land verlassen wollen. Teilweise kamen sie mit großen Koffern zum Amt, um im Anschluss den Flieger ins Heimatland zu nehmen.
Die Leute waren alle sehr geduldig. Trotzdem ging es aufgrund der vielen Menschen etwas chaotisch zu. Für eine sehr einfache Angelegenheit, die normalerweise 10 Minuten in Anspruch nimmt, brauchte ich diesmal fast drei Stunden.
Ich möchte noch kurz zum Schluss etwas zu den deutschen Medien sagen. Die Berichterstattung ist teilweise purer Sensationsjournalismus. Die Situation im Nordosten von Japan ist extrem. Aber auf welche Art und Weise darüber berichtet wird, ist teilweise einfach nur peinlich. Ja, es gibt Hamsterkäufe in Tokio und die Menschen sind natürlich auch nervös und ersehnen sich ein gutes und schnelles Ende der Katastrophe. Aber dass die Straßen menschenleer sind und dass alle Menschen in Japan Hunger und Not leiden müssen, stimmt nicht. In den weiter entfernten Gebieten gehen die Menschen ihrem Alltag nach, haben genug zu Essen und Trinken und ein warmes Heim. Hier fahren die Bahnen und Busse normal weiter und die Supermärkte etc. haben wie sonst auch geöffnet.
Das liegt allerdings auch daran, dass das Stromnetz in dieser Gegend ein anderes ist als das in Tokio und Umgebung. Das ist in so einer Situation wie dieser wirklich bedauerlich…
Naja, ich hoffe, dass mein Geburtstag heute für alle Menschen, die von der Katastrophe betroffen sind, ein guter Tag wird, indem die vielen mutigen und hart arbeitenden Rettungskräfte die Gefahr, die vom AKW in Fukushima ausgeht, beseitigen können und die Menschen und das Land sich auf den schweren und langwierigen Wiederaufbau konzentrieren können.





