Gesundheitscheck
Steffel | 22. Februar 2011 | 1.268 mal gelesenHeute bin ich zum ersten Mal zu einem Gesundheitscheck gegangen.
Viele, wenn nicht sogar die meisten, Arbeitgeber hier in Japan bezahlen schicken ihre Mitarbeiter jährlich zu so einer Untersuchung. Leider gehört mein Arbeitgeber nicht dazu… Von daher habe ich mich bis jetzt noch nicht auf irgendwelche gesundheitlichen Probleme untersuchen lassen. Aber nach ein paar familiären Vorfällen, dachte ich mir, dass es besser wäre, mich ab diesem Jahr regelmäßig einem solchen Test unterziehen zu lassen.
Heute war es nun so weit. Um 8:20 Uhr war ich im nahe gelegenen Krankenhaus. Dort musste ich mich dann umziehen und gleich mal die Toilette zur Urinabnahme begeben. Anschließend wurde mein Gewicht und meine Größe gemessen und nebenbei noch drei Blutproben entnommen. Komischerweise habe ich mich am meisten vor der Messung meiner Körpergröße gefürchtet. Die letzte offizielle Messung liegt nun mittlerweile fast 15 Jahre zurück. Damals, mit 16 Jahren, überragte ich mit 180,6cm knapp die magische Grenze.
In letzter Zeit habe ich öfters zu hören bekommen, dass ich keine 1,80m sei. Und – auch wenn es ein Tick von mir ist – ist es für mich sehr wichtig, eben nicht darunter zu liegen. Zu meiner Überraschung bin nach meinem 16. Lebensjahr anscheinend doch noch einmal minimal gewachsen. Denn die heutige Messung stolze 181,4cm
Und nun ist die damals leicht aufgerundete Angabe im Personalausweis gerechtfertigt
Allerdings muss ich auch dazu sagen, dass Ich normalerweise nicht in einer so gestreckten Körperhaltung durch die Straßen Osakas umherschweife.
Nach diesen ersten Tests ging es zum Röntgen, was im Nu vonstatten ging. Anschließend waren die Augen dran. Den Anweisungen der netten Krankenschwestern konnte ich zwar folgen, aber deren Erklärungen zu den einzelnen Tests nicht immer. So war es für mich ein kleiner Schock, als mich plötzlich ein Luftstoß ins Auge zum Zucken brachte. Danach ging dann die große Raterunde los. In welcher Richtung ist das große C geöffnet. Anscheinend sind meine Augen, besonders mein linkes Auge, noch recht gut. Eine Brille ist also immer noch nicht von Nöten. Mit ca. 18 Jahren hatte ich zwar mal eine, aber die hat recht schnell das Zeitliche gesegnet, nachdem ich mich aus Versehen auf sie gesetzt habe. Sachen passieren…
Weiter ging es in die dritte Etage, wo meine Nieren und andere Organe in der Nähe via Ultraschall und mein Lungenvolumen etc. untersucht wurde. Danach stand die eigentlich unangenehmste Untersuchung an: Mein Magen und die Speiseröhre wurden auf ihre Funktionstüchtigkeit untersucht. Dazu musste ich zu erst ein sehr saures Pulver schlucken, das in Verbindung mit Wasser in meinem Magen richtig zu sprudeln begann. Ich sollte dann versuchen, die Rülpser zu unterdrücken, was gar nicht mal so einfach war. Neben diesem Pulver musste ich noch eine dickflüssige, weiße Flüssigkeit zu mir nehmen, die nicht gerade besonders lecker war. Anschließend wurde ich dann auf einer Trage in alle möglichen Himmelsrichtungen bewegt, was meinem Wohlbefinden, nachdem ich diese komischen Sachen trinken musste, nicht gerade gut tat.
Nachdem das auch vorbei war, kamen noch meine Ohren dran. Dazu musste ich mich mich in einen kleinen abgeschirmten Raum setzen. Nun wartete ich auf das Startzeichen der Krankenschwester. Aber die machte keine Anstalten. Ich hörte mittlerweile einen sehr leisen, hohen Ton, dachte aber, dass der von außen kommen könnte. Plötzlich machte es Klick bei mir. Der Test hatte also sofort angefangen. Sehr spät, aber anscheinend nicht zu spät, reagierte ich nun endlich. Trotzdem dürfte meine verspätete Reaktion das Ergebnis ein wenig nach unten gezogen haben.
Schließlich, nach knapp zweieinhalb Stunden durfte ich mich an den Anfangsort begeben, mich umziehen und mich dann noch einem letzten (Augen)test unterziehen lassen. Jetzt, nachdem die Tortur vorbei war, bekam ich endlich mein Essen, worauf ich den ganzen Vormittag gefreut hatte: ein Schinken-Käse-Sandwich, Maissuppe, Obst und Apfelsaft. Für umgerechnet ca. 125 Euro (inklusive Untersuchung) war das gar nicht mal so schlecht
Kurz nachdem ich mich halbwegs satt gegessen hatte, wurde ich noch zum Arzt kommandiert, der mir dann im Schnelldurchlauf das Ergebnis sagte. Insgesamt war alles soweit in Ordnung. Ein paar Blutwerte waren ein wenig zu hoch bzw. zu niedrig. Ansonsten gab es noch zwei Sachen, auf die ich in Zukunft mal aufpassen sollte. Auf jeden Fall freue ich mich schon auf den Test im nächsten Jahr
Wort des Tages: 人間ドック (ningendokku = gründliche Gesundheitsuntersuchung im Krankenhaus (wörtlich: “Dock für Menschen”)





